Wie das Buch Phänomen Leben meine Sicht auf chronische Rückenschmerzen änderte

Ich stelle mir diese Frage, ob ein Kurs, den man nur hört und nie wirklich "übt", etwas an einem Rücken verändern kann, der seit Jahren zieht. Zwei ziemlich unterschiedliche Wege existieren jetzt nebeneinander in meinem Alltag: die klaren, körperlichen Übungen der Wirbelsäulentherapie und die leiseren, sperrigeren Gedanken aus Phänomen Leben. Beide behaupten, etwas mit chronischen Rückenschmerzen und der eigenen Körpermitte zu tun zu haben. Nur eben nicht auf die gleiche Art.

Kurzer Hinweis vorweg: In diesem Text stecken Affiliate-Links. Bucht jemand darüber einen Kurs, bekomme ich eine Provision, ohne dass sich dadurch etwas an deinem Preis ändert. Ich schreibe ausschließlich über Kurse, die ich selbst bezahlt und mit dem eigenen Heft durchgearbeitet habe. Eine medizinische Ausbildung habe ich nicht, ich bin keine Ärztin, und nichts von dem hier ersetzt den Besuch bei einer Orthopädin oder einem Physiotherapeuten. Die ausführliche Offenlegung dazu steht weiter unten.

Was macht den Unterschied zwischen zwei Rückenwegen?

Zwei Wege liegen bei mir gerade nebeneinander, und in meinem Leinenheft, das inzwischen zu einer Art Sonntagstagebuch geworden ist, tauchen beide ständig auf derselben Seite auf. Der eine ist die Wirbelsäulentherapie, acht Module, über fünfzig Videos, gedacht für Leute mit wenig Zeit am Abend. Der andere ist Phänomen Leben, fünf Module verteilt auf rund zwölf Stunden, mehr zum Hören als zum Nachmachen. Beide sollen mit demselben Ziehen im unteren Rücken zu tun haben. Ich will hier nicht behaupten, dass einer der beiden gewinnt.

Wie viel von diesem Ziehen eigentlich aus dem restlichen Alltag stammt und nicht nur aus der Muskulatur selbst, wird in keinem der beiden Kurse richtig erklärt, taucht aber in beiden immer wieder am Rand auf. Meine kurze Antwort auf die Frage von oben: Für den akuten Moment beim Stehen oder Heben zählt bei mir die Bewegung, für die Abende, an denen der Kopf nicht zur Ruhe kommt, zählt eher das Zuhören. Wie ich zu dieser Aufteilung gekommen bin, ist der Rest dieses Textes.

Alte Bücher auf dem Tresen der Buchhandlung, Alltag neben chronischen Rückenschmerzen und Körpermitte-Arbeit

Die Wirbelsäulentherapie und ihr klarer, körperlicher Blick

Der körperliche Weg ist der direktere von beiden. Rumpfmuskulatur aufzubauen ist dort oft der erste Ratschlag, und das hilft mir tatsächlich beim langen Stehen an der Theke. Auch die Brustwirbelsäule beweglich zu halten hat sich bemerkbar gemacht, seit ich weiß, wie krumm man nach Stunden auf der Bibliotheksleiter werden kann. Über Faszientraining wird in solchen Kursen viel gesprochen, bei mir war es allerdings eher die Regelmäßigkeit als die Technik selbst, die etwas verändert hat. Das Iliosakralgelenk hat in meinem Fall nie im Mittelpunkt gestanden, auch wenn andere in meiner Gruppe genau davon erzählen.

Bevor ich überhaupt so weit gedacht habe, hatte ich es mit ergonomischen Einlegesohlen für den langen Arbeitstag versucht, weil eine Kollegin schwor, dass die alles verändern würden. Meine Füße haben es mir gedankt. Mein unterer Rücken hat sich davon keinen Deut beeindrucken lassen.

Im Treppenhaus treffe ich manchmal Finja, meine Nachbarin von oben, die als Physiotherapeutin in einer Praxis in Eimsbüttel arbeitet, aber grundsätzlich keine Tipps gibt, solange ich nicht ausdrücklich frage. Einmal frage ich sie direkt, was eigentlich den Unterschied zwischen einem Kurs wie meinem und klassischer Physiotherapie ausmacht. Ihre Antwort ist kurz: reichls Grundprinzip sei, den Rücken zu bewegen, bevor er sich beschwert, während klassische Physiotherapie meistens erst nach der Diagnose ansetzt. Vor einer Weile hat sie eine Woche lang auf Blasius aufgepasst, während ich unterwegs war, seitdem fragt sie manchmal noch nach ihm.

Phänomen Leben und der ganzheitliche Blick auf den Rücken

Der zweite Weg denkt anders über denselben Schmerz nach. Im Kurs taucht der Begriff Propriozeption auf, und ich habe mitgenommen, dass es dabei auch um das eigene Körpergefühl geht, mehr will ich dazu gar nicht behaupten. Es geht weniger um einzelne Übungen als um die Frage, wo im Leben gerade Enge herrscht und wo Weite fehlt.

Eine ruhige Zwerchfellatmung wird in einem der späteren Kapitel kurz gestreift, ohne dass ich das hier vertiefen will. Die Angst vor der nächsten falschen Bewegung, von der andere in meiner Gruppe öfter erzählen, kenne ich eher aus solchen Gesprächen als aus eigener Erfahrung. Meine zehn Minuten am Morgen sind längst kein Ritual mehr, eher eine Art Grundrauschen, das einfach dazugehört.

Kopfhörer und Tee auf dem Fensterbrett, Hörsession mit Phänomen Leben für die ganzheitliche Gesundheit

Wo beide Wege sich reiben

Neulich, an einem Samstag im Laden, stand ich auf der obersten Stufe der Bibliotheksleiter und suchte einen Band für eine Stammkundin, die regelmäßig nach einem bestimmten Doppelgänger-Roman fragt. Früher hätte ich bei dieser Bewegung sofort an einen Schmerz in der Lendenwirbelsäule gedacht, noch bevor er überhaupt da war. Diesmal ist die Angst einfach ausgeblieben, und das hat weniger mit einer bestimmten Übung zu tun als mit der Summe aus beidem.

Meine Bekannte Thordis, die ich aus einer kleinen Rücken-Selbsthilfegruppe kenne, sieht das anders. Die Gruppe trifft sich einmal im Monat in einem Hinterzimmer nicht weit vom Spritzenplatz im Schanzenviertel, und Thordis bringt jedes Mal selbstgebackene Kekse mit. Sie macht seit Jahren Feldenkrais, arbeitet also fast ausschließlich über die Bewegung, und hält wenig von Kursen, bei denen man nur zuhört. Für sie ist der Körper der Einstieg, nicht der Umweg.

An einem Donnerstagmorgen ist mir aufgefallen, wie selbstverständlich ich Blasius vom Fensterbrett gehoben habe, ohne dass sich mein Rücken gemeldet hätte, kein Ziehen, keine kurze Schrecksekunde vorher, einfach nur eine Katze, die auf den Arm wollte.

Zwischen Enge und Weite entscheiden

Wenn der Rücken sich meldet, während ich stehe, hebe oder trage, greife ich fast automatisch zu den Übungen aus der Wirbelsäulentherapie. Das ist der Moment für Bewegung, nicht für Nachdenken. Wenn das Ziehen dagegen abends kommt, wenn der Laden zu ist und im Kopf noch alles kreist, hilft mir eher der Griff zur sanften Abendroutine oder ein Kapitel aus Phänomen Leben als noch eine weitere Dehnübung.

Wer öfter mit Rückenschmerzen nach dem Aufwachen zu kämpfen hat, kennt vielleicht etwas Ähnliches: Körper und Kopf melden sich nicht immer zur gleichen Zeit, und manchmal braucht der eine Weg genau dann Vorrang, wenn der andere gerade nichts bringt.

Handschriftliche Notiz im Leinenheft, Sonntagstagebuch zu Rücken und Körpermitte

Was ich beiden nicht abnehme

Keiner der beiden Wege macht Versprechen, die er nicht halten kann, und genau das schätze ich an beiden. Die Wirbelsäulentherapie verspricht keine Heilung, nur eine klare körperliche Routine. Phänomen Leben verspricht auch keine Heilung, eher eine andere Art hinzusehen. Für den reinen körperlichen Einstieg würde ich als Erstes zur Wirbelsäulentherapie greifen. Wer merkt, dass der Knoten tiefer sitzt, als jede Übung reicht, findet in Phänomen Leben eher den Raum dafür.

Ich klappe das Heft heute früher zu als sonst. Blasius schläft schon auf der Fensterbank, und mein Rücken meldet sich nicht. Wenn deine Schmerzen akut sind oder dich seit Längerem begleiten, sprich bitte zuerst mit einer Orthopädin oder einem Physiotherapeuten, bevor du einen der beiden Wege ausprobierst.

Bitte beachten: Hier auf der Seite teile ich, was ich selbst durchgemacht habe -- kein medizinischer, finanzieller oder rechtlicher Ratschlag. Was bei mir funktioniert hat, muss bei dir nicht funktionieren. Sprich mit deinem Arzt, Steuerberater oder Anwalt, bevor du Entscheidungen triffst, die wirklich zählen.

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