
Ein Kissen kostet einen Klick und landet nach einer Woche ungenutzt unter der Theke; eine ausgerollte Matte kostet zehn Minuten am Morgen und liegt immer noch da, wenn der Laden abends zusperrt. Genau an diesem Unterschied entscheidet sich für mich, ob Rückenschmerzen lindern ein Wunsch bleibt oder tatsächlich etwas bringt. Als Buchhändlerin in Altona stehe ich vier Tage die Woche an Theke, Leiter und Kassenband, und von allem, was ich im Buchhändler-Alltag gegen den unteren Rücken ausprobiert habe, sind es die Wirbelsäulentherapie-Übungen für zuhause, die über Monate etwas verändert haben – nicht die Hilfsmittel, die vorher in der Schublade landeten.
Kleiner Hinweis, bevor es weitergeht: In diesem Text stecken Affiliate-Links, und wenn du darüber einen Kurs buchst, bekomme ich eine Provision, ohne dass für dich etwas teurer wird. Ich schreibe nur über das, was tatsächlich auf meiner Matte zwischen Bücherregal und Küchentisch gelandet ist, sonntags festgehalten in meinem Leinen-Heft. Weiter unten auf der Seite findest du die ausführliche Offenlegung dazu.
Warum ein Sitzkissen an der Kasse nichts gebracht hat, aber die Wirbelsäulentherapie zuhause schon
Vor der Wirbelsäulentherapie stand ein orthopädisches Sitzkissen auf meinem Kassenarbeitsplatz, bestellt nach einer besonders zähen Schicht, mit dem festen Vorsatz, dass es den Druck aus dem unteren Rücken nehmen würde. Eine Weile saß ich brav darauf, richtete mich nach der aufgedruckten Anleitung aus und merkte trotzdem jeden Nachmittag denselben ziehenden Schmerz, sobald ich mich zur untersten Regalreihe bückte. Ein Kissen kann eine Sitzhaltung stützen, aber es bewegt nichts – und genau das brauchte mein Rücken die ganze Zeit: Bewegung, keine bessere Unterlage.
Die Wirbelsäulentherapie [Mein Einstieg] hat bei mir andocken können, weil sie genau das Gegenteil verlangt: keine bessere Unterlage, sondern zehn Minuten aktive Bewegung. Acht Module, etwas über fünfzig Videos, ungefähr sechs Stunden Material insgesamt – aufgeteilt in Häppchen, die ich abends am Laptop auf dem Küchentisch anschauen kann. Der Kurs stammt von einem Physiotherapeuten mit vierzig Jahren Praxis, und das merkt man weniger an großen Ankündigungen als an der Art, wie er kleine Korrektionen erklärt. Eine der ersten Übungen daraus ist eine langsame Beckenkreisung im Stehen, die genau in die Pause zwischen zwei Kundengesprächen passt, und das ist für mich der eigentliche Home-Workout-Tipp: etwas, das so kurz ist, dass man es nicht vor sich herschieben kann.

Was unterscheidet den Praxistermin vom Küchentisch?
Der Unterschied zwischen einem Praxistermin und dem eigenen Küchentisch war anfangs gar nicht so offensichtlich, wie er inzwischen klingt. Bei der Physiotherapie bekommt man zwanzig konzentrierte Minuten, eine Anleitung auf Papier und dann die Aufgabe, den Rest allein hinzubekommen – meistens sind die Feinheiten schon im Treppenhaus wieder vergessen. Das Grundprinzip dahinter ist mir erst mit der Zeit klargeworden: Heimübungen greifen genau dort, wo Therapietermine bei mir nicht dauerhaft geholfen haben, weil niemand daneben steht und improvisiert, wenn der Rücken an einem Tag anders reagiert als am Tag davor.
Dazu gehört auch die Propriozeption, das Gefühl für die eigene Wirbelsäule von innen statt nur von außen dagegen zu drücken – mehr braucht es an dieser Stelle nicht dazu zu sagen.
Zwischen Theke, Leiter und Kassenband bekommt der untere Rücken ohnehin am meisten ab, das hören auch die Kolleginnen aus dem Schichtdienst immer wieder von ihren eigenen Ärzten. Ich bin an einem Freitagnachmittag im Lager eine Kiste mit Nachbestellungen die schmale Treppe hinaufgetragen und oben nicht wie sonst kurz stehengeblieben, um mich durchzudrücken – ich bin einfach weitergegangen zur Auslage, als wäre nichts gewesen. Erst auf halbem Weg zurück ist mir aufgefallen, was gerade nicht passiert war.
Zwei Berufe, zwei Rücken – Birkes Vergleich aus dem Klassenzimmer
Birke, eine Leserin, die nach einem meiner ersten Sonntagseinträge geschrieben hat, vergleicht ihren Rücken nach zwanzig Jahren im Lehrberuf gern mit meinem hinter der Theke, und ihre Bilder aus dem Klassenzimmer treffen es oft erstaunlich genau. Stehen vor der Tafel und Stehen an der Kasse fühlen sich nach ihrer Beschreibung völlig unterschiedlich an, aber der untere Rücken präsentiert am Ende beide Male dieselbe Rechnung. Für alle, die den ganzen Tag stehend arbeiten oder verkaufen, gibt es eigene Ausgleichsübungen gegen genau diese Belastung, die hier den Rahmen sprengen würden.
Für den Anfang reichen ohnehin 10 Minuten Rückenübungen für den Morgen bei wenig Platz in der Wohnung, gerade wenn die Küche wie meine nicht viel mehr als eine Matten-Ecke hergibt.

Den Ausgleich für den Buchhändler-Alltag finden
Ich bin am Samstag über den Isemarkt unter der Hochbahn gelaufen, zwei Stoffbeutel voller Gemüse in den Händen, und habe zum ersten Mal gar nicht überlegt, wie ich sie tragen muss, damit der Rücken es nicht büßt. An einem anderen Tag, nach einer besonders vollen Leiterschicht, hat Helene, die seit Jahren neben mir an der Theke steht, mir angesehen, dass es kein guter Tag für meinen Rücken war, noch bevor ich selbst etwas gesagt habe – das passiert ihr ständig, ohne dass ich verstehe, woran sie es festmacht.
Faszientraining ist ein Wort, das mittlerweile auf ziemlich vielen Buchrücken im Wellness-Regal steht, aber ich fasse es hier nur kurz an, ohne tiefer einzusteigen. Das ist ein eigenes Kapitel, das an anderer Stelle genauer aufgeschrieben wird.
Für die ruhigeren Abende, wenn die Übungen längst laufen und trotzdem noch Kopf frei gebraucht wird, läuft nebenbei die Verborgene Weltgeschichte [Tiefer Gang] von Ra Garve mit ihren gut 120 Videos – kein Rückenprogramm, eher Gesellschaft für die Ohren, während Bestellscheine aus dem Hanser-Verlag sortiert werden.
Was am Ende trotzdem zählt, ist richtig heben bei Rückenschmerzen im Job – keine große Kunst, aber etwas, das man sich im Lager zwischen den Kisten erst antrainieren muss, Kiste für Kiste.

Wann reicht ein Hilfsmittel – und wann ist die eigene Körper-Mitte gefragt?
Ein Sitzkissen oder ähnliches Hilfsmittel ist seitdem kein Fehler, wenn es um kurze, punktuelle Entlastung an einem einzelnen harten Tag hinter der Theke geht – dafür taugt es. Für den unteren Rücken selbst, für das, was sich über Monate aufgebaut hat, reicht das allein nicht, und da hilft nur die Bewegung, die tatsächlich ausgeführt wird, nicht die, die man sich bloß vornimmt. Seit gut zwei Jahren übe ich das, mal zehn Minuten, mal gar nicht, und der Unterschied zwischen den beiden Ansätzen ist inzwischen eindeutig: Hilfsmittel für den Moment, Wirbelsäulentherapie für die eigene Körper-Mitte.
Die Wirbelsäulentherapie [Mein Einstieg] bleibt deshalb der Ausgangspunkt, von dem aus sich alles andere einordnen lässt, auch die kleinen Hilfsmittel, die zwischendurch noch dazukommen. Der Wasserkocher ist inzwischen kalt, Blasius hat sich zu meinen Füßen zusammengerollt, und morgen wartet an der Theke wieder ein ganz normaler Montag – mit einer Matte, die diesmal wirklich ausgerollt wird.