Schmerzen zwischen den Schulterblättern lösen durch einfache Übungen im Alltag

Es ist Sonntagabend, Mitte August. Draußen über der Elbe hängt dieses diesige Licht, das den Hafen fast wie eine verblasste Postkarte aussehen lässt. Blasius, mein schwarzer Kater, hat sich bereits auf meiner zusammengerollten Matte zwischen dem Küchentisch und dem hohen Regal mit den Klassikern breitgemacht. Er weiß genau, dass jetzt die Zeit kommt, in der ich mein Leinen-Heft aufschlage und die Woche Revue passieren lasse. Die Hitze stand die letzten Tage schwer in der Großen Elbstraße, und mein Rücken hat es mir mit einer ganz speziellen Quittung gedankt: ein brennendes Ziehen genau zwischen den Schulterblättern.

Ich bin keine Physiotherapeutin oder Heilpraktikerin. Ich habe kein Medizinstudium abgeschlossen, sondern vor Jahren mein Germanistik-Studium abgebrochen, um in dieser kleinen Literaturbuchhandlung mein Glück zu finden. Alles, was ich hier schreibe, sind meine persönlichen Erfahrungen als Buchhändlerin, die vier Tage die Woche neun Stunden an der Theke steht, Kisten schleppt und auf Leitern klettert. Wenn du echte medizinische Probleme hast, solltest du das unbedingt mit einem Arzt oder Orthopäden abklären, bevor du selbst Hand anlegst.

Der Griff nach dem hohen Regal: Wenn die BWS streikt

Letzten Freitagnachmittag, es war kurz vor Ladenschluss, suchte eine Kundin nach einer speziellen Ausgabe von Virginia Woolf. Natürlich stand sie ganz oben. Ich schnappte mir unsere standardmäßige Trittleiter – sie ist genau 0,7 Meter hoch, stabil, aber eben doch eine Leiter. Ich streckte den rechten Arm aus, um den Band zu greifen, und da war er wieder: dieser scharfe, vertraute Schmerz zwischen den Blättern. Es fühlte sich an, als würde jemand einen glühenden Draht direkt neben der Wirbelsäule spannen.

Unsere Brustwirbelsäule, kurz Brustwirbelsäule, besteht aus insgesamt 12 Wirbeln. Sie ist weit weniger beweglich als die 7 Wirbel der Halswirbelsäule, was allein schon an der Befestigung der Rippen liegt. In meinem Job als Buchhändlerin ist die "Buchhändler-Haltung" mein größter Feind: leicht nach vorne gebeugt über den Bestellscheinen, die Schultern hochgezogen beim Telefonieren mit dem Hanser-Verlag, der Kopf gesenkt über den Neuzugängen. Über die Jahre hat sich das zu einem Muster verfestigt, das mich besonders in stressigen Wochen wie dieser einholt.

Nahaufnahme eines Eichenholzregals in einer Buchhandlung mit tanzenden Staubkörnern.

In solchen Momenten im Laden, wenn der Schmerz einschießt, lehne ich mich oft kurz gegen das kühle, massive Eichenholz unserer Philosophie-Abteilung. Der Geruch nach Staub und altem Papier steigt mir in die Nase, während ich versuche, meine Schulterblätter gegen das harte Holz zu pressen. Es ist ein kurzer Moment der Erdung, ein Innehalten zwischen zwei Kundenanfragen.

Die falsche Intuition: Warum Zusammenziehen nicht hilft

Lange Zeit dachte ich, ich müsste einfach nur die Schulterblätter fest zusammenziehen, um die Haltung zu korrigieren. "Brust raus, Schultern zurück", das hört man ja oft. Aber seit ich mich intensiver mit der Wirbelsäunentherapie nach Reichl beschäftige – ich bin jetzt etwa in Woche 24 seit meinem Start im März 2024 –, habe ich gelernt, dass genau das oft der falsche Weg ist. Wenn wir die Blätter hinten zusammenzwängen, setzen wir die Muskulatur unter noch mehr Spannung, anstatt sie zu lösen.

Mein persönlicher Wendepunkt war die Erkenntnis, dass der Schmerz zwischen den Blättern oft von einer chronischen Überdehnung der dortigen Muskeln kommt, weil wir vorne im Brustkorb zu eng werden. Der Musculus rhomboideus, der dort hinten Schwerstarbeit leistet, schreit eigentlich nach Entlastung, nicht nach noch mehr Zug. Mein neuer Ansatz: Statt die Schulterblätter hinten zu malträtieren, versuche ich, den Brustkorb bewusst nach vorne zu wölben und dort Weite zu schaffen. Es ist eher ein Aufspannen als ein Zusammenziehen.

Ich erinnere mich an einen Moment Anfang Juni, als ich im Lager stand und die Rückläufer sortierte. Ich hielt inne und probierte diese kleine Bewegung aus: Einatmen, das Brustbein sanft nach vorne oben heben, ohne die Schultern nach hinten zu reißen. Es war, als würde ein enger Gürtel um meine Lungen gelockert werden. Plötzlich gab es einen vernehmbaren Knall in meinem oberen Rücken – ein plötzliches, hörbares Krachen, das sich anfühlte, als würde ein verrostetes Scharnier nach Jahren der Vernachlässigung endlich geölt werden. Es war kein Schmerz, sondern eine sofortige Befreiung.

Eine kleine Trittleiter neben einem Stapel neuer Bücher in einer Buchhandlung.

Einfache Übungen für zwischendurch

Ich habe keine Zeit für ausgiebige Turnstunden im Laden. Aber ich habe gelernt, die Lücken zu nutzen. Wenn die Frau, die jeden Donnerstag nach einem ganz bestimmten Doppelgänger-Band sucht, mal wieder das Regal durchstöbert, nutze ich die Kante meines Bücherwagens oder der Auslage für eine kleine Entlastung.

Manchmal klappt es auch gar nicht. Letzte Woche war so ein Fall. Ich war so genervt von einer fehlerhaften Lieferung, dass ich meine Matte am Sonntagabend gar nicht erst ausgerollt habe. Ich saß stattdessen mit einem Glas Wein auf dem Balkon und habe den Rücken Rücken sein lassen. Und weißt du was? Das gehört auch dazu. Ehrlichkeit ist in der Körperarbeit wichtiger als Perfektion. Wenn ich merke, dass mein Körper stagniert, erzwinge ich nichts. Ich habe früher oft versucht, Schmerzen einfach wegzudrücken, aber heute weiß ich, dass sie eher wie eine hartnäckige Kundin sind: Man muss ihnen zuhören, auch wenn sie anstrengend sind.

Der Blick aus dem Fenster und die Matte

Jetzt, an diesem Sonntagabend, fühle ich mich deutlich freier als noch am Freitag auf der Leiter. Ich habe vorhin zehn Minuten auf der Matte verbracht, ganz ohne Druck. Blasius hat skeptisch zugeschaut, als ich versucht habe, meinen Brustkorb gegen die Schwerkraft zu weiten. Diese Kontinuität, auch wenn sie manchmal nur aus ein paar Minuten besteht, ist das, was mir über die letzten sechs Monate wirklich geholfen hat.

Es ist interessant, wie sich die Wahrnehmung verändert. Früher dachte ich, der Rücken sei eine isolierte Baustelle. Heute sehe ich die Verbindungen. Wie ich stehe, wie ich atme, sogar wie ich laufe. Ich habe neulich darüber geschrieben, warum ich in Altona öfter barfuß laufe um meinen Rücken zu entlasten, und merke immer mehr, dass die Entspannung im oberen Rücken oft schon bei den Füßen anfängt. Alles hängt zusammen, wie die Kapitel in einem gut konstruierten Roman.

Ein handgeschriebener Tagebucheintrag in einem Leinenheft über Rückenübungen.

Wenn du also das nächste Mal dieses Brennen zwischen den Schulterblättern spürst, versuch nicht, dich krampfhaft geradezuziehen. Versuch stattdessen, weich zu werden. Stell dir vor, dein Brustbein möchte der Sonne entgegenblicken, ganz ohne die Hilfe deiner Schultern. Es ist eine kleine, fast unsichtbare Bewegung, aber für meine 12 Brustwirbel macht sie den Unterschied zwischen einem mühsamen Feierabend und einem entspannten Blick auf die Elbe.

Ich klappe mein Heft jetzt zu. Die Sonne ist fast weg, und Blasius fordert lautstark sein Abendessen ein. Morgen ist Montag, neuer Stapel, neue Bestellungen, neue Geschichten. Aber mein oberer Rücken fühlt sich heute an, als hätte er ein bisschen mehr Platz zum Atmen bekommen. Und das ist eigentlich alles, was ich von einer guten Woche erwarte.

Bitte beachten: Hier auf der Seite teile ich, was ich selbst durchgemacht habe -- kein medizinischer, finanzieller oder rechtlicher Ratschlag. Was bei mir funktioniert hat, muss bei dir nicht funktionieren. Sprich mit deinem Arzt, Steuerberater oder Anwalt, bevor du Entscheidungen triffst, die wirklich zählen.

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