
In der Physiotherapie wird man behandelt. In der Wirbelsäulentherapie lernst du, dich selbst zu behandeln. Diesen Unterschied halte ich seit Jahren in einem Selbsthilfe-Tagebuch fest, das eigentlich nur für mich gedacht war – bis mich Kundinnen aus dem Laden in Hamburg-Altona anfingen zu fragen, wie ich den Vergleich Wirbelsäulentherapie oder Physiotherapie bei chronischen Rückenschmerzen im Kreuz für mich persönlich entschieden habe. Die ehrliche Antwort: für nichts von beidem allein.
Der Satz, der mir am häufigsten begegnet, klingt ungefähr so: Man müsse sich entscheiden, welcher Weg der richtige sei. Genau das ist der Irrtum, um den es hier gehen soll. Physiotherapie und Wirbelsäulentherapie beantworten unterschiedliche Fragen – und wer die eine gegen die andere ausspielt, verpasst genau das, was beide zusammen leisten könnten.
Bevor ich weiterschreibe: Ich bin Buchhändlerin, keine Physiotherapeutin und keine Ärztin – was hier steht, ist meine persönliche Erfahrung, kein Ersatz für eine fachliche Einschätzung. Sprich also erst mit jemandem vom Fach, bevor du selbst loslegst.
Der Mythos vom Entweder-Oder
Ich habe selbst lange geglaubt, ich müsse mich entscheiden. Jahrelang war der Weg vorgezeichnet: Rezept vom Orthopäden, Termin bei der Physiotherapie, zwanzig Minuten, von denen sich die Hälfte wie reines Warten anfühlte.
Zwischendurch habe ich einiges probiert, das nicht geholfen hat. Ergonomische Einlegesohlen für den langen Arbeitstag zum Beispiel – in der Theorie klang das nach der Lösung, in der Praxis haben sie vor allem meine Schuhe enger gemacht.
Was mir fehlte, war nicht noch mehr Behandlung, sondern Verständnis. Deshalb bin ich bei der Wirbelsäulentherapie [Mein Einstieg] gelandet – nicht weil die Physiotherapie schlecht war, sondern weil sie mir nie erklärt hat, warum ich mich falsch bücke, wenn ich Bücherkisten stemme.

Warum die Wirbelsäulentherapie kein Ersatz für Physiotherapie ist
Meine Nachbarin Finja Tiedemann wohnt seit Jahren ein Stockwerk über mir, und sie ist tatsächlich Physiotherapeutin, in einer Praxis in Eimsbüttel. Das Bemerkenswerte daran: Sie gibt mir so gut wie nie Tipps, außer ich frage ausdrücklich danach.
Genau das zeigt, worum es bei diesem Mythos eigentlich geht. Physiotherapie stellt eine fachliche Diagnose, sie arbeitet mit den Händen, sie sieht Dinge, die ein Selbsthilfe-Kurs nicht sehen kann. Die Wirbelsäule ist kompliziert genug, dass ich froh bin, wenn erst jemand mit Ausbildung draufschaut, bevor ich allein an ihr herumprobiere.
Wenn ich heute Bücherkisten hochhieve, arbeite ich nach dem, was ich in den Tipps zum richtigen Heben bei Rückenschmerzen im Job für mich mitgenommen habe – Wissen, das ursprünglich aus der Physiotherapie stammt, auch wenn ich es erst über den Kurs wirklich verstanden habe.
Das Grundprinzip, das hinter der Wirbelsäulentherapie steht, erkläre ich an anderer Stelle ausführlicher – hier soll es wirklich nur um den Vergleich gehen. Genauso wenig will ich hier breittreten, warum der untere Rücken bei so vielen von uns einfach Alltagsstress speichert, das ist nochmal ein eigenes Thema für sich.
Was Physiotherapie bei chronischen Rückenschmerzen leistet – und was nicht
Woran es der Physiotherapie bei mir oft gefehlt hat, war schlicht Zeit. In der Praxis erklärt niemand ausführlich, was mit dem Kreuz passiert, wenn man den ganzen Tag zwischen Ladentheke, Leiter und Auslage pendelt.
Der Einstiegskurs bei reichl bringt es dagegen auf acht Module und über fünfzig Videos, ungefähr sechs Stunden Material insgesamt – mehr Erklärung, als ich in einem ganzen Jahr Physiotherapie bekommen habe. Trotzdem hätte ich ohne die Vorarbeit beim Orthopäden und in der Physio-Praxis nie gewusst, wonach ich überhaupt suche.
Ob und wie Faszientraining dabei hilft, alte Verspannungen zu lösen, ist nochmal ein Kapitel für sich, genau wie meine eigene Zehn-Minuten-Morgenroutine, die anderswo ausführlicher drankommt. Sonntags läuft bei mir nebenbei oft Phaenomen Leben [Weite], fünf Module auf gut zwölf Stunden verteilt – kein Körper-Kurs, aber gut gegen den Kopf-Ballast, der sich sonst im Rücken festsetzt.
Kannst du beides gleichzeitig machen?
Kannst du beides gleichzeitig machen? Ja, und die kleine Rücken-Selbsthilfegruppe, die sich einmal im Monat in Altona trifft, ist für mich der beste Beweis dafür.
Thordis Benner bringt zu jedem Treffen selbst gebackene Kekse mit, und sie fragt mich danach jedes Mal, ob ich meine Sonntagseinträge noch schreibe. Sie selbst macht Feldenkrais, ich mache Wirbelsäulentherapie, und in der Gruppe sitzen auch zwei Frauen, die stur bei ihrer Physiotherapie bleiben. Niemand muss sich rechtfertigen.

In den dunklen Wintermonaten habe ich mich oft durch Verborgene Weltgeschichte [Tiefer Gang] gehört, während ich die Auslage sortiert habe – 120 Videos, rund 50 Stunden, genug Stoff für die ganze kalte Jahreszeit. Wie ich nach einer ganzen Stehschicht an der Kasse gegensteuere, steht ausführlicher in den Dehnübungen nach langem Stehen, hier reicht der Hinweis, dass auch das dazugehört.
Wer es kompakter mag, für den ist Globales Erwachen [Kürzester Kurs] mit seinen 17 Stunden eher etwas, gerade wenn neben Job und Haushalt wenig Luft bleibt.
Was sich dadurch wirklich verändert hat, zeigt sich nicht am Sonntagabend, sondern mitten in der Woche: Wenn ich heute den Bücherwagen durch den Gang schiebe, hängen meine Schultern nicht mehr nach vorne, der Wagen rollt fast von selbst, weil ich aufrecht bleibe. Das hat nichts mit einer einzelnen Übung zu tun und alles mit dem Zusammenspiel aus beidem.
Mein Fazit vom Küchentisch
Meine Faustregel ist simpel, keine Wissenschaft: Bei akuten Schmerzen oder wenn es um eine Diagnose geht, gehören Physiotherapie oder die Ärztin ins Spiel, nicht ein Kurs. Geht es aber darum, jeden Tag mit einem Rücken zurechtzukommen, der sich chronisch meldet, ist die Wirbelsäulentherapie für mich die Ergänzung, die den Unterschied macht – kein Ersatz, sondern das fehlende Stück.
Falls dich das Ziehen im Kreuz auch nicht loslässt und du nicht länger zwischen zwei Lagern wählen willst: Schau dir die Wirbelsäulentherapie [Mein Einstieg] an, parallel zu dem, was deine Physiotherapeutin dir sowieso schon rät. Ich klappe jetzt mein Heft zu, Blasius schläft längst, und morgen früh ist wieder Laden, Theke und Leiter dran.