Wie man die Wirbelsäulentherapie Übungen in einen vollen Arbeitstag integriert

Wie oft am Tag beugst du dich nach unten, ohne es überhaupt zu bemerken? Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, seit ich zwischen Kistenstapeln und Bücherregalen neun Stunden am Stück auf den Beinen stehe. Wirbelsäulentherapie hat sich bei mir nie als fester Termin im Kalender eingerichtet, eher als etwas, das sich zwischen zwei Kundengesprächen einschleicht. Rückengesundheit war für mich lange ein Feierabend-Wort, gebunden an die Matte, die ich nach der Arbeit ausrolle. Die eigentliche Alltagsintegration kam erst, als ich aufgehört habe, extra Zeit dafür zu suchen, die es in meinem Buchhandel-Leben schlicht nicht gibt.

Donnerstagnachmittags taucht Solveig auf, wie jede zweite Woche, und stellt sich mit ihrer Tüte gebrauchter Romane an die Kasse. Sie kassiert selbst, neun Stunden am Stück in einem Laden in der Nähe, und wir tauschen inzwischen ohne große Umschweife ein, zwei Sätze über unsere Rücken aus, während ich ihre Bücher einscanne. Wie man das lange Stehen im Verkauf sonst noch abfedert, ist ein eigenes Thema, aber an diesem Donnerstag reicht es, dass sie mir zunickt, wenn ich beim Kassieren kurz das Gewicht von einem Fuß auf den anderen verlagere.

Alltagsintegration zwischen Kasse und Kistenstapel

Die Kartenlesegeräte an der Kasse brauchen manchmal eine gefühlte Ewigkeit, bis die Zahlung durch ist, und genau diese Sekunden nutze ich inzwischen für kleine Beckenkippungen, die von außen kaum auffallen. Meine Wirbelsäule merkt den Unterschied, auch wenn niemand in der Schlange etwas davon sieht. Warum kleinere, häufigere Bewegungen oft mehr bringen als eine lange Einheit am Abend, habe ich an anderer Stelle ausführlicher aufgeschrieben - hier zählt nur, dass es mitten im Kassenalltag funktioniert.

Stress schlägt sich bei mir zuerst im Kreuz nieder, noch bevor ich es im Kopf überhaupt bemerke - ein Mechanismus, den ich woanders genauer auseinandergenommen habe. Für den Alltag reicht mir die Beobachtung: Wenn im Lager die Kisten sich stapeln und das Telefon nicht stillsteht, zieht mein unterer Rücken zuerst, lange bevor ich gereizt werde. Genau in solchen Wochen bringt mir eine bewusste Pause an der Ladentür oft mehr, als wenn ich spätabends noch mit letzter Kraft versuche, chronische Rückenschmerzen lindern zu können.

Nahaufnahme von Füßen zwischen Bücherstapeln – Gewichtsverlagerung für mehr Rückengesundheit im Stehen

Der Rücken, wenn gerade niemand hinschaut

Vor ein paar Monaten hab ich es mit Kinesiologie-Tape versucht, quer über das Kreuz geklebt, in der Hoffnung, dass es meine Haltung von selbst korrigiert. Es hat gejuckt, ist an einer Ecke abgestanden, und mein Rücken hat sich davon nicht die Bohne beeindrucken lassen. Bei akuten Beschwerden hätte ich damals ohnehin lieber einen Orthopäden gefragt als ein Tutorial im Internet.

Kein Wunder-Fix also.

Faszientraining ist noch mal ein eigenes Kapitel für sich, aber im Laden reicht mir oft schon eine kurze Drehung im Stand, die Arme locker mitschwingend, während ich auf eine Lieferung warte. Zwischen zwei Kundinnen dauert das nur wenige Sekunden. Es sieht harmlos aus, fühlt sich aber wie eine kleine Entriegelung an, besonders nach einer Stunde gebückt über Rückläufer-Kisten.

Was im Iliosakralgelenk im Detail passiert, wenn es zwickt, erklär ich hier nicht - das gehört in einen anderen Eintrag. Bei mir sitzt das Ziehen meist rechts, genau dort, wo ich früher das Kinesiologie-Tape geklebt hatte, nur dass ich es heute mit Bewegung statt mit Klebeband angehe.

Meine Freundin Ronja hat mir Mittwochabend eine Sprachnachricht geschickt, in der sie so laut lacht, dass ich das Handy vom Ohr halten musste - typisch für sie, sie entschuldigt sich dafür nie. Sie wollte wissen, ob ich diese Woche überhaupt auf die Matte gekommen bin, und ich musste kurz überlegen, bevor ich ja sagen konnte.

Woche 10: die Bücherkiste, die einfach so nach oben ging

Es war Woche zehn, als ich mit einer vollen Bücherkiste die Lagertreppe hochgegangen bin und oben einfach weitergelaufen bin, ohne die übliche Pause zum Luftholen und Rückenstrecken einzulegen. Ich habe es erst kurz danach gemerkt und bin fast stehen geblieben vor Überraschung. Sonst musste ich oben immer kurz die Kiste abstellen, mich aufrichten, tief durchatmen - diesmal ging es einfach durch.

Eine Runde durch den Volkspark Altona am Mittag

Freitags nehme ich mir manchmal die Mittagspause und laufe eine kleine Runde durch den Volkspark Altona am Waldrand, nicht weit vom Laden entfernt. Der Boden dort ist uneben, mit Wurzeln und leichten Kuhlen, und genau das zwingt mich, anders zu gehen als auf dem glatten Parkett zwischen den Bücherregalen. Eine kurze Runde reicht, um den Rücken aus der immer gleichen Stehhaltung zu holen, bevor ich zurück an die Kasse muss.

Der Unterschied zwischen Wirbelsäulentherapie und klassischer Physiotherapie ist für mich vor allem einer der Termine: Physiotherapie findet im Kalender statt, mit festen Uhrzeiten und einer Praxis, in die ich fahren muss. Meine Übungen dagegen passieren zwischen zwei Kundinnen an der Theke, ohne Anmeldung, ohne Wartezimmer.

Sich beim Bücken zu verkrampfen, aus Angst etwas kaputt zu machen - das kenne ich auch noch von früher, bevor die Bewegung selbst zur Gewohnheit wurde. Das ist ein eigenes Thema, das ich hier nicht vertiefe. Heute hebe ich Kisten, ohne vorher in Gedanken durchzuspielen, was alles schiefgehen könnte.

Aufgeschlagenes Leinenheft mit Sonntagabend-Notizen zur Alltagsintegration der Wirbelsäulentherapie

Sonntagabend: das Heft wieder zugeklappt

Morgens vor der Arbeit bleiben mir meist nur die immer gleichen zehn Minuten auf der Matte in der Ecke zwischen Küchentisch und Bücherregal - dieser Teil gehört in einen anderen Sonntagseintrag, hier geht es nur um den Rest des Tages. Blasius sitzt meistens schon auf dem Fensterbrett und beobachtet mich dabei mit diesem typischen Katzenblick, und durchs Fenster blitzt bei gutem Wetter ein Stück Elbe zwischen den Dächern hindurch. Die eigentliche Übung fängt für mich aber erst an, wenn ich das Haus verlasse, und wer wissen will, was gegen eine steife Wirbelsäule nach einem langen Arbeitstag wirklich hilft, findet bei mir keine Patentlösung, nur diese kleinen Gewohnheiten.

Das Heft klappe ich heute früher zu als früher, nicht weil weniger drinsteht, sondern weil die Sätze kürzer geworden sind. Was ich aus zehn Wochen mitnehme, lässt sich in einem Satz sagen: Rückengesundheit passt nicht in einen Termin, sie passt in die Lücken, die der Tag sowieso schon hat, an der Kasse, auf der Treppe, zwischen zwei Kisten. Morgen früh um neun stehe ich wieder in der Großen Elbstraße, und zwischen zwei Buchbestellungen ist immer eine Sekunde für eine kleine Bewegung, die nur mir und meinem Rücken gehört.

Bitte beachten: Hier auf der Seite teile ich, was ich selbst durchgemacht habe -- kein medizinischer, finanzieller oder rechtlicher Ratschlag. Was bei mir funktioniert hat, muss bei dir nicht funktionieren. Sprich mit deinem Arzt, Steuerberater oder Anwalt, bevor du Entscheidungen triffst, die wirklich zählen.

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