Wie die Erkenntnisse aus Globales Erwachen meinen Umgang mit Schmerz verändern

Zwölf Regalmeter Ratgeber zu Rücken, Bewusstsein und Selbstheilung stehen bei uns in der Buchhandlung in der Großen Elbstraße, und aus gefühlt jedem zweiten Buch klingt derselbe Satz heraus: Wer den Kopf öffnet, wird den Rückenschmerz los. Genau diesen Satz habe ich selbst geglaubt, nachdem ich Globales Erwachen von RaGarve durchgehört hatte. Mittlerweile schreibe ich in mein Leinenheft — mein kleines Selbsthilfe-Tagebuch — etwas Vorsichtigeres hinein, und dieser Text ist mein Versuch, den Unterschied so ehrlich wie möglich aufzuschreiben: mehr Rückenschmerz-Bewusstsein, ja, aber kein Heilsversprechen.

Bevor es weitergeht, kurz die Offenlegung, wie in jedem meiner Sonntagseinträge: Manche Links in diesem Text sind Affiliate-Links zu Kursen, die ich selbst gekauft habe. Bucht jemand darüber, bekomme ich eine Provision, dein Preis ändert sich dadurch nicht. Ich bin Buchhändlerin, keine Ärztin und keine Therapeutin — was hier steht, ersetzt keinen Termin beim Orthopäden.

Der Mythos vom Kopf, der den Rücken heilt

Wirbelsäulentherapie nach Reichl war für mich zuerst der körperliche Teil: acht Module, feste Übungen, ein festes Aufbauprinzip von Modul zu Modul, das mir am Anfang die nötige Struktur gegeben hat. Das Ziehen im Kreuzbein, das mich seit 2022 begleitet, wurde dadurch spürbar leiser. Danach kam bei mir die Idee dazu, mentale Kurse könnten dieselbe Wirkung verstärken oder sogar ersetzen — dass ein offener Kopf am Ende denselben Effekt hat wie eine gelockerte Faszie. Das ist der Mythos, den ich mittlerweile korrigiere: Die Körper-Geist-Verbindung ist real, aber sie ersetzt keine körperliche Entlastung, sie verändert höchstens, wie viel Gewicht der Schmerz im Kopf bekommt. Dass der untere Rücken oft genau dort überlastet, wo sich Alltagsstress leise aufsummiert, lernt man eher am eigenen Kassenband als in einem Kurs über Weltgeschehen. Seit ungefähr zwei Jahren übe ich das jetzt in kleinen Sonntagsschritten, und die Reihenfolge zwischen Kopf und Kreuz hat sich in dieser Zeit mehrfach verschoben.

Nahaufnahme einer Hand, die in ein Leinenheft schreibt, bei warmem Abendlicht – Selbsthilfe-Tagebuch für mehr Rückenschmerz-Bewusstsein.

Körper-Geist-Verbindung heilt den Schmerz nicht wirklich

Nein, und das wurde mir an einem Freitagnachmittag im Lager klar, zwischen Rücksendekartons vom Hanser-Verlag, während ich in Globales Erwachen hineinhörte. Der Kurs von RaGarve, mit seinen 17 Stunden Material auf 32 Videos, spricht sehr direkt über Zeitgeschehen und die eigene Verstrickung darin, aber er zeigt keine einzige Übung fürs Iliosakralgelenk oder für verspannte Faszien im unteren Rücken. Das ist auch nicht sein Job. Was der Kurs bei mir verändert hat, ist eher die Reihenfolge: Ich merke inzwischen früher, wann die Anspannung im Kopf anfängt, bevor sie sich als Ziehen im Kreuz meldet, und das ist etwas anderes als Heilung. Auch der Unterschied zwischen einer Wirbelsäulentherapie und klassischer Physiotherapie liegt genau hier — die eine arbeitet an Struktur und Gewohnheit, die andere oft an akuten Symptomen, und keine von beiden ersetzt einen Kurs über Weltanschauung.

Spritzenplatz, Einlegesohlen und ein Satz von Thordis Benner

Ergonomische Einlegesohlen hatte ich mir letztes Jahr gekauft, gegen die langen Stehtage an der Theke. Gebracht haben sie so gut wie nichts, außer dass meine Schuhe enger saßen. Das war einer der Momente, die mir gezeigt haben: Symptome von außen abzupolstern reicht nicht, wenn die Ursache eine Mischung aus Haltung, Stress und zu wenig Bewegungsvielfalt ist. Was hilft gegen eine steife Wirbelsäule nach einem langen Arbeitstag lässt sich eben nicht mit einer Einlage lösen — das war ein teurer Umweg.

Mittwochs, wenn ich früher Feierabend habe, sitze ich manchmal eine halbe Stunde am Spritzenplatz im Schanzenviertel und höre ein Kapitel aus Phaenomen Leben, weil sich der Kurs gut für längere Pausen draußen eignet, ganz ohne Matte. Thordis Benner aus unserer kleinen Rückengruppe hat mich neulich nach so einem Treffen gefragt, ob ich meine Sonntagseinträge noch schreibe — sie fragt das jedes Mal, langsam und genau, als würde sie jedes Wort einzeln abwiegen. Ich habe ja gesagt. Am nächsten Morgen, als ich vom Küchenstuhl aufstand, gab mein Iliosakralgelenk zwar noch das gewohnte kleine, trockene Knacken von sich, aber zum ersten Mal seit 2022 fehlte der Anlaufschmerz komplett, der mich sonst auf den ersten Schritten begleitet.

Blick aus einem Fenster in Hamburg-Altona auf die Hafenkräne in der Abenddämmerung – Alltag rund um Globales Erwachen und Rückenschmerz-Bewusstsein.

Den Unterschied zwischen Verstehen und Heilen anerkennen

Neulich im Treppenhaus kam Finja, meine Nachbarin von oben, mit einem Teller Kuchenreste von der Arbeit vorbei — sie ist Physiotherapeutin in Eimsbüttel, mischt sich aber grundsätzlich nicht ein, außer ich frage direkt danach. Diesmal habe ich gefragt, was sie von der Idee hält, ein Bewusstseinskurs könnte den Rücken heilen. Sie hat nur die Augenbraue gehoben und gesagt, Wissen verändere die Reaktion, nicht das Gewebe. Genau das ist die Regel, an die ich mich seitdem halte: Ein Kurs wie Globales Erwachen gehört neben die Bewegung, nicht an ihre Stelle. Wer viel steht, an der Kasse oder im Verkauf, braucht weiterhin gezielte Ausgleichsübungen für den unteren Rücken, keinen Podcast über Weltanschauung als Ersatz dafür. Und wer aus Angst vor dem nächsten Ziehen im Kreuz jede Bewegung vermeidet, verstärkt genau den Kreislauf, den er eigentlich durchbrechen will — das sehe ich in unserer Rückengruppe öfter, als mir lieb ist. Die kurze Morgenroutine auf der Matte bleibt bei mir Pflichtprogramm, keine Kür, egal wie viel ich in einem Kurs über Bewusstsein gelernt habe. Chronische Rückenschmerzen lindern heißt für mich inzwischen: beides gleichzeitig ernst nehmen, den Kopf und die Kasse, den Text und die Übung.

Falls du selbst überlegst, dir Globales Erwachen anzuschauen: Erwarte keinen Kurs, der deinen Rücken repariert. Erwarte einen, der dir zeigt, wie viel von dem Ziehen im Kreuz eigentlich aus dem Kopf kommt — und lass die Matte trotzdem ausgerollt liegen, auch an den Tagen, an denen der Kurs allein sich schon nach genug Arbeit anfühlt.

Ich klappe das Heft zu. Blasius hat sich längst irgendwo in der Wohnung verkrochen, und morgen wartet ganz normal die Buchhandlung in Hamburg-Altona, mit oder ohne heile Welt im Kopf.

Bitte beachten: Hier auf der Seite teile ich, was ich selbst durchgemacht habe -- kein medizinischer, finanzieller oder rechtlicher Ratschlag. Was bei mir funktioniert hat, muss bei dir nicht funktionieren. Sprich mit deinem Arzt, Steuerberater oder Anwalt, bevor du Entscheidungen triffst, die wirklich zählen.

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