
Es ist dieser eine Moment am Sonntagabend, wenn das Licht über der Elbe dieses matte, fast silbrige Grau annimmt und die Kräne drüben in Steinwerder wie unbewegliche Insekten wirken. Ich sitze am Küchentisch, das raue Leinen meines Notizbuchs unter den Fingern, während Blasius, mein schwarzer Kater, mit einer diebischen Ausdauer auf meinen Knöcheln schnurrt. Er hat sich seinen Platz auf der zusammengerollten Matte zwischen dem Bücherregal und dem Tisch bereits gesichert, auch wenn ich heute noch gar keine Übung gemacht habe.
Hinweis: Bevor ich weiterschreibe – einige Links hier sind Affiliate-Links. Wenn du darüber einen Kurs buchst, erhalte ich eine Provision, ohne dass es für dich teurer wird. Ich empfehle nur, was ich selbst im Leinen-Heft stehen habe. Meine vollständige Offenlegung findest du im Impressum. Und ganz wichtig: Ich bin Buchhändlerin, keine Ärztin oder Physiotherapeutin. Meine Notizen ersetzen keinen Besuch beim Orthopäden. Wenn es bei dir im Rücken zieht, lass das bitte fachmedizinisch abklären, bevor du selbst Hand – oder Matte – anlegst.
Der Asphalt von Altona und meine fünf Lendenwirbel
In den letzten Wochen, seit ich im März über eine Freundin auf die Wirbelsäulentherapie gestoßen bin, hat sich mein Blick auf den Weg zur Arbeit verändert. Früher war der Gang von der Altonaer Nebenstraße hinunter zur Großen Elbstraße einfach nur eine Notwendigkeit. Doch seit mein unterer Rücken – diese speziellen 5 Lendenwirbel, die bei uns Menschen das Hauptgewicht tragen – angefangen hat, bei jedem Schritt auf dem Hamburger Kopfsteinpflaster zu protestieren, wurde das Gehen zum Thema.
An einem regnerischen Sonntag im März notierte ich zum ersten Mal, wie sich jeder Schritt anfühlte, als würde das Pflaster direkt gegen meine Wirbelsäule arbeiten. In der Buchhandlung stehen wir oft 9 Stunden am Tag an der Theke oder balancieren auf Leitern. Man gewöhnt sich an eine gewisse Statik. Aber das Gehen? Das sollte eigentlich Erholung sein. Stattdessen fühlte es sich an, als würde ich meine Wirbelsäule wie ein altes, schlecht sortiertes Regal behandeln, das einfach nur halten musste, egal wie schief die Bücher – oder eben die Wirbel – standen.

Das Experiment mit dem Besenstiel
Nach etwa vier Wochen bewusstem Training mit den Videos – der Kurs umfasst immerhin über 50 Videos in 8 Modulen – dachte ich, ich hätte das Prinzip verstanden. Ich versuchte, beim Gehen die Wirbelsäule wie einen Besenstiel kerzengerade zu halten. Ich marschierte durch Ottensen wie eine preußische Soldatin. Das Ergebnis war ein heftiger Muskelkater im Nacken und eine noch größere Spannung im Kreuz. Ein klassischer Anfängerfehler, den ich natürlich prompt in mein Heft eintrug.
Ich lernte dann durch die Audio-Kurse, die ich oft abends höre, dass Haltung kein starres Konstrukt ist. Es ist eine fließende Bewegung. Besonders die Wirbelsäulentherapie Erfahrungen anderer Teilnehmer zeigten mir, dass es um das „aktive Becken“ geht. In einer Woche im April begann ich, das Gehen neu zu sortieren. Nicht steif, sondern federnd. Ein physiologisch korrekter Gang beginnt mit dem sanften Abrollen über die Ferse. Das reduziert die Stoßbelastung für die Lendenwirbel massiv.
Manchmal, wenn ich morgens die 10 Minuten Übungen mache (oder es versuche, wenn Blasius nicht gerade die Matte besetzt), spüre ich danach dieses warme Kribbeln im unteren Rücken. Es ist der Moment, in dem sich der Druck durch die richtige Beckenkippung löst. Es ist fast so, als würde man ein zu enges Buchcover endlich lockern, damit die Seiten wieder atmen können.
Wenn die Statik versagt: Das Baby-Tragetuch-Dilemma
Letzten Donnerstag hatte ich eine Kundin im Laden, die verzweifelt nach einem Roman suchte, während sie ihr Kleinkind im Tragetuch vor der Brust hatte. Ich sah ihr an, wie sie im Hohlkreuz stand, um das Gewicht auszugleichen. Da wurde mir klar: Die Standard-Haltungsempfehlungen versagen hier völlig. Wenn du ein zusätzliches Gewicht vor der Brust trägst, verschiebt sich dein Schwerpunkt so massiv, dass eine „natürlich aufrechte“ Haltung fast unmöglich wird.
Wir unterhielten uns kurz zwischen den Regalen vom Hanser-Verlag. Ich erzählte ihr, dass ich selbst erst lernen musste, dass Gehen Schwerstarbeit für die Bandscheiben sein kann, wenn man nicht gegensteuert. Wer ein Kind trägt, muss die Kraft aus den Beinen und dem tiefen Bauch holen, statt die Lendenwirbelsäule als Hebel zu benutzen. Es ist ein Thema, das in vielen Ratgebern zu kurz kommt – diese dynamische Belastung im echten Leben, fernab der Gymnastikmatte.

Ein langer Arbeitstag im Mai
An einem besonders langen Arbeitstag im Mai, als wir eine große Lieferung Bildbände bekamen und der Bücherwagen fast überquoll, merkte ich den Unterschied. Anstatt mich steif von A nach B zu schieben, achtete ich auf die Mikrobewegungen in der Hüfte. Ich erinnerte mich an eine Passage aus einem der RaGarve-Kurse, vielleicht war es Phaenomen Leben, in der es um die Weite im Körper geht. Es klingt esoterisch, aber für eine Buchhändlerin bedeutet es schlicht: Platz zwischen den Wirbeln schaffen.
Ich arbeite 4 Tage die Woche in der Großen Elbstraße. Das sind viele Schritte auf hartem Boden. Wenn ich heute durch die Tür meiner Wohnung trete, fühlt sich mein Rücken anders an als noch vor zwei Jahren. Er zieht nicht mehr so verbissen. Er ist eher wie ein alter Stammkunde: Er meldet sich zwar, aber wir haben eine gemeinsame Sprache gefunden.
Falls du auch das Gefühl hast, dein Rücken sei ein einziger Block, könnte es helfen, sich warum die Wirbelsäulentherapie Übungen für zuhause bei mir funktionieren, einmal genauer anzuschauen. Es ist oft nicht die eine große Übung, sondern das Verständnis für die Mechanik beim ganz normalen Gehen.

Sonntagabend-Fazit aus dem Leinen-Heft
Letzten Sonntagabend beim Schreiben fiel mir auf: In den letzten Einträgen steht viel weniger über Schmerzmittel und viel mehr über das Gefühl von Leichtigkeit beim Weg zur Arbeit. Ich notiere jetzt eher, welches Buch ich gerade lese – meistens Romane mit älteren Erzählerinnen, die genau wissen, dass das Leben aus vielen kleinen Korrekturen besteht.
Die Wirbelsäulentherapie ist für mich kein Allheilmittel, das über Nacht alles wegzaubert. Es ist eher wie das Sortieren eines Archivs. Man muss jedes Teil einmal in die Hand nehmen, verstehen, wo es hingehört, und es dann behutsam ablegen. Mein Rücken ist der rote Faden in diesem Heft, aber er ist nicht mehr die einzige Geschichte, die ich zu erzählen habe.
Wenn du selbst spüren möchtest, wie sich die Statik deines Körpers verändern lässt, kann ich dir den Einstieg über die Wirbelsäulentherapie nur ans Herz legen. Es braucht keinen großen Raum, nur ein bisschen Platz zwischen Küchentisch und Regal – und vielleicht einen Kater, der aufpasst, dass man die Pausen nicht vergisst. Geh den ersten Schritt, aber roll dabei bitte ordentlich über die Ferse ab.
Wir lesen uns nächsten Sonntag. Vielleicht erzähle ich dann von der Frau, die jeden Donnerstag diesen einen Doppelgänger-Band sucht – und warum das Suchen im untersten Regal die beste Kniebeuge der Welt ist.