Fußgymnastik gegen Rückenschmerzen: Meine Erfahrungen nach langen Schichten

Es ist wieder dieser Moment am Sonntagabend, wenn die Kräne im Hamburger Hafen drüben auf der anderen Elbseite nur noch als Lichterketten erkennbar sind. Blasius, mein schwarzer Kater, hat sich bereits auf meiner zusammengerollten Matte breitgemacht, die zwischen dem Küchenregal und dem alten Holztisch klemmt. Ich sitze hier mit meinem Leinen-Heft und spüre das vertraute Pochen in meinen Fußsohlen – ein Echo der letzten vier Tage in der Buchhandlung.

Bevor ich vergesse, es aufzuschreiben: In diesen Notizen finden sich einige Affiliate-Links. Wenn du über so einen Link einen Kurs buchst, erhalte ich eine Provision. Für dich ändert sich am Preis absolut nichts. Ich schreibe hier ausschließlich über die Programme, die ich selbst gekauft und auf meiner Matte in Altona durchgearbeitet habe. Meine vollständige Offenlegung findest du im Impressum verlinkt.

Das Fundament in der Großen Elbstraße

Wer in einer Buchhandlung arbeitet, verbringt sein Leben vertikal. Seit neun Jahren stehe ich vier Tage die Woche für jeweils neun Stunden an der Theke, klettere auf Leitern, um die oberen Reihen der Lyrik-Abteilung zu erreichen, oder wuchte Kisten mit den Neuerscheinungen des Hanser-Verlags durch das Lager. Lange dachte ich, mein unterer Rücken sei das Problem. Dieses ziehende, dumpfe Gefühl, das mich seit 2022 begleitet und das sich durch keine Physiotherapie der Welt dauerhaft vertreiben ließ.

Erst im letzten Monat, nach einer besonders harten Neun-Stunden-Samstagsschicht, wurde mir etwas klar. Ich stand auf dem Kopfsteinpflaster der Großen Elbstraße, wartete auf den Bus und merkte, wie der Schmerz nicht im Kreuz begann, sondern von den Sohlen meiner Füße wie eine dunkle Vibration nach oben wanderte. Ich trage teure Sneaker, die angeblich alles dämpfen, aber vielleicht ist genau das das Problem: Mein Körper hat verlernt, sich selbst zu tragen.

Barfuß stehende Füße auf dunklen Küchenfliesen in einer Hamburger Altbauwohnung.

26 Knochen und eine neue Perspektive

Als ich im März 2024 mit der Wirbelsäulentherapie von Reichl begann, war ich anfangs skeptisch gegenüber den Modulen, die sich mit den Extremitäten beschäftigten. Ich wollte doch Hilfe für meinen Rücken, nicht für meine Zehen. Doch in einem der insgesamt 50 Videos wird erklärt, dass der menschliche Fuß aus 26 Knochen besteht – das ist fast ein Viertel aller Knochen in unserem Körper. Wenn dieses Fundament starr wird wie ein alter Buchrücken, muss die Wirbelsäule alles ausgleichen.

Ich saß an diesem Abend an meinem Küchentisch, Blasius schnurrte gegen mein Schienbein, und ich versuchte zum ersten Mal, meine Zehen einzeln zu bewegen. Es war deprimierend. Meine Füße fühlten sich an wie zwei steife Klötze. Ich habe Germanistik studiert und kann dir die Erzählstruktur von acht verschiedenen Jahrhundertromanen erklären, aber ich hatte keine Ahnung, wie meine eigenen 26 Fußknochen eigentlich meine Statik stützen. Es ist diese Art von Wissen, die man nicht in Büchern findet, sondern nur, wenn man barfuß auf einer Matte steht.

In der Wirbelsäulentherapie, die aus 8 Modulen besteht, wird man sehr langsam an diese Zusammenhänge herangeführt. Es gibt keine Werbeversprechen, keine Wunderheilung in drei Tagen. Es ist eher wie das Einsortieren eines ungeordneten Lagers: Man muss erst einmal Inventur machen, bevor man die Regale neu ausrichten kann. Ich habe gelernt, dass meine Hohlkreuz-Tendenzen beim langen Stehen oft damit zusammenhängen, wie ich mein Gewicht auf den Außenkanten meiner Füße verteile.

Der Moment, in dem das Display fast kippte

Manchmal versuche ich, die Übungen in den Arbeitsalltag zu integrieren. Letzten Freitag, während ich einer Kundin eine 800-seitige Biografie empfahl, versuchte ich hinter der Theke eine komplexe Zehen-Spreiz-Übung. Ich wollte die Propriozeption stärken, von der Reichl immer spricht. Das Ende vom Lied? Ich verlor kurz das Gleichgewicht, schwankte bedrohlich und riss beinahe einen Stapel mit den neuen Taschenbüchern um. Die Kundin schaute mich irritiert an, und ich murmelte etwas von einem „eingeschlafenen Fuß“.

Das ist die Realität. Es klappt nicht immer. Es gibt Wochen, da rolle ich die Matte gar nicht erst aus, weil die Erschöpfung nach der Schicht einfach zu groß ist. Aber wenn ich es schaffe, ist das Gefühl danach unbezahlbar. Dieser Moment, wenn ich nach der Arbeit in meine Wohnung in Altona komme und meine erhitzten, geschwollenen Fußgewölbe gegen die kalten Fliesen des Küchenbodens presse – das ist ein kurzer, scharfer Moment der Erlösung, bevor ich mich an die eigentliche Körperarbeit mache.

Ein kleiner hölzerner Massageball auf dem Boden hinter einer Buchhandlungstheke.

Ein Wort an die Nachtschicht

In der Buchhandlung treffe ich oft eine Stammkundin, die als Krankenschwester im Schichtdienst arbeitet. Wir unterhielten uns neulich über Fußgymnastik, und sie lachte nur müde. „In Sicherheitsschuhen während einer Elf-Stunden-Nachtschicht?“, fragte sie. Da wurde mir ein entscheidender Unterschied klar. Während ich in der Buchhandlung zumindest theoretisch die Freiheit habe, mal kurz aus den Schuhen zu schlüpfen oder barfuß durchs Lager zu laufen, sind Menschen in Pflegeberufen in ihren schweren Schuhen gefangen.

Standardübungen scheitern oft genau hier: Wenn die Muskulatur durch die nächtliche Dauerbelastung bereits völlig erschöpft ist, bringt das reine „Training“ wenig, wenn keine Ruhephase folgt. Für sie ist der Ansatz der Wirbelsäulentherapie fast noch wichtiger, aber auch schwieriger umzusetzen. Es geht dann weniger um Kraft, sondern um das Lösen der verklebten Strukturen nach der Schicht. Ich bin natürlich keine Ärztin oder Physiotherapeutin – ich bin nur eine Frau mit einem Leinen-Heft –, aber ich glaube, man sollte bei ernsthaften Beschwerden immer erst einen Orthopäden aufsuchen, bevor man selbst experimentiert.

Was mir hinter der Theke wirklich hilft, ist ein kleiner Holzball. Wenn es im Laden ruhig ist, rolle ich mit der Fußsohle darüber. Es dauert keine drei Minuten, und ich spüre eine überraschende, warme Welle der Entspannung, die von den Waden bis hoch zum Steißbein wandert. Es ist, als würde man eine festgefahrene Schublade endlich wieder gängig machen.

Die Matte zwischen den Welten

Mittlerweile ist es fast elf Uhr abends. Der Wasserkocher hat gerade geklickt, und ich werde mir noch einen Tee machen, bevor ich den Sonntag abschließe. Die Arbeit mit der Wirbelsäulentherapie hat meinen Blick auf meinen Körper verändert. Er ist kein Werkzeug mehr, das einfach nur funktionieren muss, sondern ein komplexes System, das an den Zehen beginnt.

Manchmal höre ich nebenbei Abschnitte aus Phaenomen Leben, einfach um meinen Geist ein bisschen zu weiten, während ich meine Füße mobilisiere. Es hilft mir, nicht nur den Schmerz zu sehen, sondern die Statik als Ganzes. Wenn man versteht, wie die Beckenkippung mit der Kraft der Großzehe zusammenhängt, verliert der Rückenschmerz seinen Schrecken – er wird zu einer lösbaren Aufgabe, einer Art kryptischem Text, den man nur langsam dechiffrieren muss.

Nahaufnahme eines Notizbuchs mit handschriftlichen Notizen über Anatomie und Rückengesundheit.

Falls du selbst den ganzen Tag stehst, egal ob im Verkauf, in der Pflege oder in der Gastronomie: Fang bei den Füßen an. Es klingt fast zu simpel, um wahr zu sein, aber dein unterer Rücken wird es dir danken. Wenn du eine strukturierte Anleitung suchst, die du in deinem eigenen Tempo am Küchentisch durcharbeiten kannst, schau dir die Übungen von Reichl an. Mir haben sie geholfen, den Weg von der Großen Elbstraße nach Hause wieder mit einer gewissen Leichtigkeit anzutreten, statt nur von Bushaltestelle zu Bushaltestelle zu schleichen.

Ich klappe mein Heft jetzt zu. Blasius hat die Matte endlich freigegeben und wartet auf sein Abendessen. Morgen ist wieder Montag, die neue Lieferung vom Diogenes Verlag kommt, und ich weiß jetzt, wie ich meine 26 Knochen sortieren muss, damit der Tag nicht im unteren Rücken endet.

Wenn du mehr darüber lesen willst, wie ich meinen Alltag im Stehen bewältige, findest du hier meine Notizen zum Thema Hohlkreuz vermeiden beim langen Stehen im Verkauf oder wie ich versuche, meine steife Hüfte nach einem langen Tag zu mobilisieren. Pass auf dich auf und hör auf deine Füße – sie tragen dich schließlich durch dein ganzes Leben.

Bitte beachten: Hier auf der Seite teile ich, was ich selbst durchgemacht habe -- kein medizinischer, finanzieller oder rechtlicher Ratschlag. Was bei mir funktioniert hat, muss bei dir nicht funktionieren. Sprich mit deinem Arzt, Steuerberater oder Anwalt, bevor du Entscheidungen triffst, die wirklich zählen.

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