
Es ist Sonntagabend in Altona, der 24. Mai 2026. Draußen glitzert die Elbe unter einem milchigen Frühlingshimmel, und in meiner Küche riecht es nach frischem Minztee und dem Staub alter Buchrücken, der mir noch in den Kleidern hängt. Blasius, mein schwarzer Kater, hat sich mit einer fast schon unverschämten Eleganz auf meiner zusammengerollten Matte breitgemacht, die eigentlich für meine Abend-Übung bereitlag. Ich sitze hier, das Leinen-Heft aufgeschlagen, und spüre diesen vertrauten, dumpfen Zug im Kreuz – ein Echo einer Woche, die mal wieder länger war als meine Wirbelsäule es eigentlich erlaubt.
Hinweis: In meinen Texten finden sich einige Affiliate-Links. Wenn du über einen dieser Links einen Kurs buchst, erhalte ich eine kleine Provision – für dich ändert sich am Preis natürlich gar nichts. Ich schreibe hier nur über Dinge, die ich selbst gekauft, gehört und in den letzten zwei Jahren mit meinem Heft hier am Küchentisch durchgearbeitet habe. Meine ausführliche Offenlegung findest du im Impressum.
Letzten Dienstag kam eine riesige Lieferung vom Hanser-Verlag. Schwere Kartons, prallgefüllt mit den Neuerscheinungen für den Sommer. Wenn ich vier Tage die Woche jeweils neun Stunden in der Buchhandlung stehe, summiert sich das auf 36 Stunden reines Stehen. Seit 2022 ist dieser Zug im unteren Rücken mein ständiger Begleiter, ein Schatten, der mal länger, mal kürzer wird. Aber heute, im Mai 2026, gehe ich anders damit um als noch vor zwei Jahren, als ich kurz davor war, den Job an den Nagel zu hängen.
Wenn die Muskulatur die Enge des Alltags speichert
Ich habe lange geglaubt, es sei nur die physische Belastung. Dass ich mich einfach nur falsch bücke, wenn ich die unteren Regalfächer einsortiere oder die schwere Waagenwippe in der Auslage neu dekoriere. Doch in den letzten Monaten, während ich immer wieder in den Kurs Phaenomen Leben [Weite] reinhöre, begreife ich etwas anderes: Mein Rücken reagiert nicht nur auf das Gewicht der Bücher, sondern auf die Enge in meinem Kopf.
An der Kasse in der Großen Elbstraße riecht es oft nach Papier und Hektik. Wenn die Schlange bis zu den Biografien reicht und die dritte Kundin in Folge nach dem Doppelgänger-Band fragt, den es gar nicht gibt, merke ich, wie ich den Atem anhalte. Ich bewege mich dann wie eine alte Bibliotheksleiter, die seit Jahrzehnten nicht mehr geölt wurde – steif, funktional, aber innerlich unter Hochspannung. Diese Spannung sitzt oft im Musculus iliopsoas, dem sogenannten Seelenmuskel. Wenn der Alltag eng wird, zieht er sich zusammen und zerrt an der Lendenwirbelsäule. Es ist ein biologisches Relikt: Flucht oder Kampf. Aber zwischen den Romanen kann ich weder fliehen noch kämpfen, ich kann nur lächeln und die nächste ISBN eintippen.

Der Buchhandels-Alltag und die Last der Verantwortung
Neulich dachte ich an eine Stammkundin, eine Krankenschwester, die oft nach ihrer Nachtschicht bei mir vorbeikommt. Wir haben uns über den Rücken unterhalten. Bei ihr ist es noch extremer: Während ich meine Stunden im Stehen verbringe, trägt sie Menschen. Aber das Gefühl ist das gleiche: Der Körper verliert durch den Stress seinen Rhythmus. Standard-Dehnübungen versagten bei mir oft, weil ich sie mit der gleichen Verbissenheit ausführte, mit der ich auch die Inventur mache. Ich wollte den Schmerz „wegmachen“, ihn besiegen.
Ich erinnere mich an einen Moment im letzten März. Ich hatte versucht, eine komplexe Übung in meiner winzigen Altonaer Küche zu erzwingen. Blasius' Wassernapf kippte um, ich rutschte aus und endete fast weinend auf dem Linoleum, weil mein Rücken einfach „zu“ war. In solchen Momenten hilft kein technisches Dehnen. Da hilft nur das, was RaGarve oft beschreibt: Loslassen. Es war eine Lektion in Demut. Wenn der Frust über den eigenen Körper zu groß wird, blockiert alles. Ich habe darüber auch in meinen Notizen zu Was tun gegen Frust bei chronischen Rückenschmerzen im Alltag geschrieben.
Ein neuer Blickwinkel: Mentale Weite statt nur Reparatur
Seit ich die Audio-Module von „Phaenomen Leben“ höre – meistens sonntags, wenn die Elbe besonders ruhig aussieht –, hat sich etwas verschoben. Es geht dort nicht um ein mechanisches „How-to“, sondern um das Bewusstsein für den Raum. Ein Schlüsselmoment war für mich eine Passage über das Loslassen von Aufgaben. Als es hieß, dass das Leben keine Aufgabe ist, die man „lösen“ muss, entwich mir ein tiefer Seufzer. Ich spürte plötzlich eine Wärme in meinen Hüften, die keine Physiotherapie der Welt dort hineingebracht hätte. Es war, als ob mein Beckenboden und meine untere Wirbelsäule zum ersten Mal seit Wochen wieder Platz zum Atmen hätten.
Hier sind meine Erkenntnisse aus den letzten Monaten:
- Körperliche Arbeit braucht mentale Pausen: Die Stunden an der Theke sind anstrengend, aber sie werden erst durch das „Gedankenkarussell“ über unerledigte Bestellungen schmerzhaft.
- Investition in das Verstehen: Die Zeit für den Kurs war gut investiert, weil sie mir geholfen hat, den Fokus von der „Reparatur“ des Rückens hin zur „Weite“ des Erlebens zu schieben.
- Akzeptanz von Rückschlägen: Es gibt Sonntage, an denen ich die Matte gar nicht ausrolle. Das ist okay. Das Leinen-Heft wird trotzdem weitergeführt.

Warum die Wirbelsäulentherapie mein Anker bleibt
Obwohl die mentalen Aspekte wichtig sind, brauche ich die Struktur. Die Wirbelsäulentherapie [Mein Einstieg] ist für mich wie ein gut sortiertes Klassiker-Regal: Man weiß, was man bekommt, und es ist solide. Die Übungen sind kurz genug, um sie morgens vor dem Ladenöffnen zu machen, selbst wenn ich nur zehn Minuten habe. Es ist diese Kombination aus physischem Handwerk und dem Wissen um die inneren Räume, die den Unterschied macht.
Ich bin keine Ärztin, keine Physiotherapeutin und habe keine medizinische Ausbildung. Ich bin eine Frau, die gerne Romane liest und zu viel steht. Wenn der Schmerz bei dir stechend wird oder in die Beine ausstrahlt, ersetzt kein Text und kein Online-Kurs den Gang zum Orthopäden. Bitte lass das ärztlich abklären, bevor du selbst experimentierst. Aber wenn es dieser dumpfe, stressbedingte Alltagsschmerz ist, dann könnte der Weg über die innere Weite vielleicht auch dir helfen.
Wer viel im Stehen arbeitet, sollte sich vielleicht auch meine Erfahrungen zum Thema Dehnübungen für den unteren Rücken nach langem Stehen im Einzelhandel ansehen. Es ist oft eine kleine Bewegung zur richtigen Zeit, die verhindert, dass der Rücken am Abend völlig dichtmacht.

Sonntagabend-Fazit: Platz zwischen den Zeilen
Der Wasserkocher pfeift. Blasius hat die Matte inzwischen verlassen und wartet auf sein Futter. Mein Rücken zieht immer noch ein bisschen, aber es ist kein „böser“ Schmerz mehr. Es ist eher eine Erinnerung daran, dass ich morgen wieder in die Buchhandlung gehe, aber vielleicht mit ein bisschen mehr innerem Raum zwischen den Regalreihen.
Vielleicht ist es genau das, was wir brauchen: weniger Kampf gegen das Symptom und mehr Verständnis für die Enge, die es verursacht. Falls du auch das Gefühl hast, dass dein Alltag dich körperlich zusammendrückt, schau dir den Ansatz von RaGarve mal an. Er ist unaufgeregt, ehrlich und passt wunderbar zu einem Sonntagabend in Altona. Besonders der körperliche Einstieg hilft, wenn der Kopf zu voll ist: Wirbelsäulentherapie [Mein Einstieg].
Ich klappe mein Heft für heute zu. Die Elbe glitzert dunkel im Hafenlicht. Morgen fange ich wieder an – mit zehn Minuten Übung, oder vielleicht auch gar nicht. Je nachdem, was der Rücken und der Stapel Hanser-Bücher morgen sagen.