Warum der untere Rücken bei Stress im Alltag ständig zieht: Ein Update aus der Matten-Ecke

Letzte Änderung

Elf Kartons mit Hanser-Neuerscheinungen wurden letzten Freitag ins Lager der Buchhandlung an der Großen Elbstraße getragen, jeder etwa so schwer wie ein vollgepackter Wanderrucksack – und mein unterer Rücken hat sich davon kein einziges Mal gemeldet. Zwei Tage später, an einem ruhigen Nachmittag an der Kasse, war der vertraute Zug im Kreuz plötzlich wieder da, obwohl ich in der Zwischenzeit nichts weiter getan hatte als Bestellscheine zu sortieren. Genau dieser Widerspruch ist der Grund, warum ich immer skeptischer werde, wenn jemand behauptet, Rückenschmerzen im Buchhandel kämen einfach vom vielen Stehen oder Tragen von Kartons. Stress spielt hier eine Rolle, die in Altona und im Alltag jeder Buchhandlung unterschätzt wird.

Kurzer Hinweis vorweg, weil er dazugehört: In manchen Absätzen hier stehen Affiliate-Links. Wenn du darüber einen Kurs buchst, bekomme ich eine kleine Provision, und für dich ändert sich am Preis nichts. Ich schreibe ausschließlich über Kurse, die ich selbst gehört, ausprobiert und ernsthaft begleitet habe – nicht über Dinge, die mir jemand einfach zugeschickt hat. Die vollständige Offenlegung findest du im Impressum.

Viele glauben, ein ziehender unterer Rücken sei automatisch ein Zeichen von zu schwerem Heben oder zu langem Stehen. Diese Annahme hält sich hartnäckig, sogar unter Kolleginnen, die selbst jeden Tag hinter der Theke stehen. Nebenbei läuft bei mir oft eine Folge von Phaenomen Leben [Weite], und genau diese Annahme wird darin regelmäßig infrage gestellt – nicht mit Fakten über Muskeln, sondern mit der Frage, wo im Alltag die eigentliche Enge entsteht.

Liegt es wirklich an den schweren Kisten?

Am Elbstrand Övelgönne, wenn ich am Wochenende über die großen Steine am Wasser gehe, mit dem Wind direkt von der Elbe im Gesicht, zieht der Rücken fast nie. Dabei ist das eine der anstrengenderen Bewegungen in meiner Woche – über unebenen Untergrund balancieren, sich immer wieder bücken, um einen guten Platz zum Sitzen zu finden. Wäre reine körperliche Belastung der Auslöser, müsste ausgerechnet dort etwas ziehen.

Genauso war es letzte Woche, als ich die Auslage im Schaufenster neu drapiert habe: beide Hände flach auf dem Boden zwischen den Buchstapeln, ein Handgriff, der sonst als klassischer Rückenkiller gilt – und trotzdem kein einziges Ziehen. Solche Momente lassen sich schwer ignorieren, wenn man sie einmal bewusst sammelt.

Stapel schwerer Hardcover-Bücher in der Buchhandlung — Rückenschmerzen durch Tragen und Stress im Buchhandel-Alltag

Der Rücken merkt sich Anspannung, nicht nur Gewicht

Was stattdessen zieht, ist eher eine Art Dauerspannung, die sich über den Tag ansammelt, unabhängig davon, wie viel der Körper wirklich gearbeitet hat. Wenn die Schlange an der Kasse bis zu den Biografien reicht und die dritte Kundin nacheinander nach dem einen Doppelgänger-Band fragt, den es gar nicht gibt, halte ich unbemerkt den Atem an und stehe innerlich angespannt da, obwohl körperlich gerade gar nichts passiert. Diese Art von Überlastung sammelt sich oft im unteren Rücken, weil dort viele kleine Anspannungen zusammenlaufen, nicht weil dort das meiste Gewicht getragen wird. Die Region rund um den Musculus iliopsoas wird dabei oft genannt, wie genau das im Detail abläuft, überlasse ich lieber der Fachliteratur als meinem eigenen Heft.

Birke Hartung, eine Leserin, hat mir vor einiger Zeit geschrieben, dass ihr das alles nach zwanzig Jahren im Schuldienst bekannt vorkommt, obwohl sie fast nie etwas Schweres trägt, sondern hauptsächlich steht und spricht. Ihre Vergleiche aus dem Lehrberuf treffen die Sache oft überraschend genau: Der Rücken reagiert bei ihr auf denselben Mix aus Verantwortung und Daueranspannung, nicht auf das Gewicht der Klassenarbeiten.

Der Unterschied zwischen Anstrengung und Dauerdruck

Helene Balzer, die mit mir zusammen an der Theke in der Großen Elbstraße steht, merkt oft schon an der Art, wie ich den Bücherwagen durch den Gang schiebe, dass ein Tag zu voll war, bevor ich es selbst merke. Damit will ich nicht behaupten, körperliche Anstrengung sei für den Rücken egal. Aber der Unterschied zwischen einer schweren, klar abgegrenzten Aufgabe und einem Tag voller kleiner Unterbrechungen ist spürbar größer, als ich lange gedacht habe. Yoga-Videos von YouTube auf dem Wohnzimmerboden habe ich eine Weile ausprobiert, ohne Anleitung, die wirklich zu meinem Alltag passte – es fühlte sich zwanzig Minuten lang gut an und brachte am Ende wenig außer guten Vorsätzen.

Gemütliche Inneneinrichtung einer kleinen Buchhandlung in Altona, Hamburg — Alltag mit Rückenschmerzen und Stress

Auf die stillen Tage achten, nicht nur auf die anstrengenden

Eine kurze Morgenroutine von zehn Minuten hilft mir an genau diesen ruhigen, aber innerlich vollen Tagen oft mehr als an den Tagen mit den schweren Kisten. Für alle, die den ganzen Tag im Stehen arbeiten, gibt es eigene Ausgleichsübungen gegen genau diese Art Dauerbelastung, aber das ist ein eigenes Thema für sich. Faszientraining setzt an einer ganz anderen Stelle an als reines Krafttraining, und manchmal merke ich den Unterschied erst Stunden später, wenn die Schultern plötzlich lockerer sind. Die Wirbelsäulentherapie, mit der ich arbeite, folgt einem eigenen Grundprinzip: Nicht der Schmerz selbst wird bekämpft, sondern die Haltung, die ihn immer wieder neu erzeugt.

Warum die Wirbelsäulentherapie für mich trotzdem der Anker bleibt

Frust kommt trotzdem vor, vor allem an Tagen, an denen ich den Rücken einfach nur reparieren will, wie eine kaputte Buchrücken-Naht. Darüber, was an diesen Tagen wirklich hilft, habe ich woanders ausführlicher geschrieben: Was tun gegen Frust bei chronischen Rückenschmerzen im Alltag.

Die Wirbelsäulentherapie [Mein Einstieg] bleibt für mich trotzdem die verlässlichste Struktur, gerade weil sie sich morgens vor Ladenöffnung in zehn Minuten unterbringen lässt, egal wie der Tag vorher war. Sie ist kein Wundermittel gegen Stress, aber ein fester Ankerpunkt, der nicht von der Tagesform abhängt.

Sonntags läuft oft eine ruhige Audio-Folge nebenbei, kein Ersatz für Bewegung, aber ein Gegengewicht zu der Enge, die sich unter der Woche aufbaut.

Schwarzer Kater Blasius auf der Yoga-Matte — Wirbelsäulentherapie-Routine gegen Rückenschmerzen zuhause in Altona

Was am Ende zählt: Beobachtung statt Ferndiagnose

Manche Ausgleichsübungen helfen zusätzlich, gerade die Dehnübungen für den unteren Rücken nach langem Stehen im Einzelhandel, die ich anderswo im Detail beschrieben habe. Sie beantworten aber nicht die Frage, warum der Rücken ausgerechnet an einem ruhigen Tag zieht und an einem anstrengenden nicht.

Ich bin keine Ärztin und keine Physiotherapeutin, nur jemand, die viel steht und gerne genau hinschaut. Wenn der Schmerz stechend wird oder ins Bein ausstrahlt, ersetzt kein Artikel und kein Kurs den Weg zum Orthopäden, unabhängig davon, wie stressbedingt der Rest sich anfühlt. Für den dumpfen, alltäglichen Zug im Kreuz lohnt sich aber der Blick auf Stress, bevor man wieder nur die nächste Dehnübung sucht.

Wer das Gefühl kennt, vom eigenen Alltag körperlich zusammengedrückt zu werden, findet in der Wirbelsäulentherapie [Mein Einstieg] einen unaufgeregten Einstieg – nicht als Versprechen auf Heilung, sondern als tägliche Übung, die unabhängig vom Stresspegel funktioniert.

Der nächste ruhige Tag wird zeigen, ob die Beobachtung stimmt, nicht die nächste schwere Lieferung.

Bitte beachten: Hier auf der Seite teile ich, was ich selbst durchgemacht habe -- kein medizinischer, finanzieller oder rechtlicher Ratschlag. Was bei mir funktioniert hat, muss bei dir nicht funktionieren. Sprich mit deinem Arzt, Steuerberater oder Anwalt, bevor du Entscheidungen triffst, die wirklich zählen.

Verwandte Artikel