Gute Bücher über ganzheitliche Heilung und Körperbewusstsein für den Sonntag

23 Buchrücken habe ich in den letzten Wochen aus unserem Ratgeber-Regal gezogen, einen nach dem anderen, auf der Suche nach den paar Titeln, die wirklich etwas über ganzheitliche Heilung und Körperbewusstsein sagen und nicht nur schön auf dem Klappentext klingen. Am Ende blieben vier übrig, die ich einer Kundin in die Hand drücken würde. Diese Bücherliebe ist bei mir kein Zufall, sie ist Teil eines festen Sonntagsrituals geworden, seit ich hier in Hamburg-Altona vier Tage die Woche an der Theke stehe und mein unterer Rücken danach nach etwas Ruhigem verlangt.

Bevor es weitergeht, kurz das Nötigste: Ich verlinke hier gelegentlich Kurse, bei denen ich eine Provision bekomme, wenn du darüber buchst – der Preis für dich ändert sich dadurch nicht. Ich schreibe nur über das, was ich selbst auf meiner Matte oder mit Kopfhörern ausprobiert habe. Ich bin Buchhändlerin, keine Ärztin und keine Physiotherapeutin, und alles hier ersetzt kein Gespräch mit deinem Orthopäden.

Bücherliebe am Sonntagabend

Blasius liegt schon auf der Fensterbank, als ich das Leinen-Heft aufschlage. Der Laden in der Großen Elbstraße ist heute zu, wie jeden Sonntag, aber die neun Stunden von Freitag stecken mir noch in den Schultern. Am Sonntagabend zähle ich nicht mehr die Kunden, sondern die Seiten.

Was mich an guten Büchern über Körperbewusstsein interessiert, ist selten die große Theorie. Mich interessiert, ob eine Autorin ehrlich schreibt, wenn eine Übung nicht funktioniert, so wie ich es hier auch versuche. Genau deshalb landen die Bücher, die zu glatt klingen, meistens zurück im Rückläufer-Karton.

Leinen-Notizbuch mit Füllfederhalter und Tee als Teil des Sonntagsrituals – Notizen zu Körperbewusstsein nach Feierabend in der Buchhandlung

Der Rücken: nicht nur eine Baustelle

Meine Antwort darauf hat sich seit 2022 geändert, seit mein unteres Kreuz zum ersten Mal richtig zu ziehen begann. Physiotherapie mit Wärmepflaster und immer denselben Standardübungen habe ich drei Monate lang durchgezogen, brav, jede Woche – geblieben ist davon nichts. Das war kein Vorwurf an die Physiotherapeutin, eher ein Hinweis, dass bei mir noch etwas anderes fehlte.

Ronja Stüber schickte mir im März 2024 einfach einen Link, ohne ein Wort dazu, das macht sie öfter so. Er führte zur Wirbelsäulentherapie [Mein Einstieg], die seit gut zwei Jahren mein körperliches Fundament ist, und später kam noch die Phaenomen Leben [Weite] dazu – kein Körperteil, keine Anleitung, nur ein Ohr, das zuhört.

Dort bin ich zum ersten Mal über den Begriff der Phänomenologie gestolpert, ohne den akademischen Ballast aus meinem abgebrochenen Studium. Es hat mich nicht zur Philosophin gemacht, aber es hat eine Frage in mir liegen lassen, die kein Ratgeberbuch bislang so gestellt hat: Was, wenn der Rücken kein Objekt ist, das repariert werden muss, sondern Teil von etwas, das gerade passiert?

Ein Hörbuch verändert den Blick, kein Wunder

Ich habe versucht, ein paar Minuten davon in der Mittagspause im Laden zu hören, zwischen einer Kundenfrage nach dem neuen Doppelgänger-Band und dem Sortieren der Remittenden. Das war ein Fehler – das Material braucht Stille, nicht das Klingeln der Ladentür.

In der zwölften Woche saß ich an einem Sonntagabend auf einem Küchenstuhl, den ich auf den Balkon gezogen hatte, das Kreuz gegen die Lehne, Blick auf die Elbe. Ich hörte zu, wie das Licht auf dem Wasser wechselte, und erst als ich aufstand, fiel mir auf: Das Kreuz hatte sich die ganze Zeit über nicht ein einziges Mal verschoben.

Was mir vorher schon geholfen hatte, war eher praktisch als philosophisch – ich habe irgendwann notiert, wie man die Wirbelsäulentherapie Übungen in einen vollen Arbeitstag integriert, an einem ganz anderen Sonntag als diesem. An wieder anderen Sonntagen ging es hier ums Iliosakralgelenk, um die Frage, warum ausgerechnet der untere Rücken im Alltag so schnell zieht, um eine Zehn-Minuten-Morgenroutine mit wenig Platz, um Faszientraining gegen immer gleiche Verspannungen, um Übungen fürs lange Stehen im Verkauf, um den Unterschied zwischen Wirbelsäulentherapie und klassischer Physiotherapie und um die Angst vor Bewegung, die sich bei länger anhaltenden Schmerzen gern einschleicht. Heute soll es aber um Bücher gehen, nicht um Übungen.

Kopfhörer und Bücher auf der Fensterbank mit Elbblick – Bücherliebe und ganzheitliche Heilung zum Zuhören

Solveig fragt nie, sagt aber trotzdem was

Solveig Torp kommt jeden zweiten Donnerstag in den Laden, meistens für einen bestimmten Verlag, manchmal nur, um zu stöbern. Vor etwa einem Jahr erwähnte sie beiläufig an der Kasse, dass sie mein Sonntagsheft kennt – seitdem tauschen wir beim Kassieren gelegentlich ein paar Sätze über Rücken und langes Stehen aus.

Sie fragt nie um Rat, das würde nicht zu ihr passen, aber sie sagt trotzdem, was sie denkt, kurz und ohne Umschweife. Letzten Donnerstag meinte sie nur, ein Buch könne den Kopf verändern, aber nicht die Hüfte, die den ganzen Tag am selben Platz steht. Das brachte mich zurück zu Globales Erwachen, einem Kurs, der stärker auf das Drumherum schaut als auf den Körper selbst – ich habe an anderer Stelle notiert, wie die Erkenntnisse aus Globales Erwachen meinen Umgang mit Schmerz verändern.

Für Menschen, die im Stehen arbeiten, reicht ein rein körperlicher Ansatz oft nicht. Wenn der Job selbst sich nicht sofort ändern lässt, muss irgendetwas anderes den Druck abfangen. Manchmal ist das ein Kurs, manchmal ist es tatsächlich nur ein gutes Buch am Sonntagabend.

Alte Eichentheke in einer Buchhandlung in Hamburg-Altona mit Bücherstapeln zum Thema Körperbewusstsein

Das Zuklappen des Hefts

Auf die ganz langen Winterabende hebe ich mir noch die Verborgenen Weltgeschichte auf, bewusst – manche Sachen brauchen einfach mehr Zeit, als ein Julinachmittag hergibt.

Diese Woche habe ich die Matte übrigens gar nicht ausgerollt – zu viel Inventur, zu wenig Kopf frei. Das gehört genauso zum Heft wie die Wochen, in denen alles läuft.

Blasius schläft inzwischen auf der zusammengerollten Matte, als hätte er auf mich gewartet, um sie sich als Kissen zu nehmen. Mein Rücken zieht heute Abend nur ganz leicht. Was ich inzwischen mitnehme: Kein einzelnes Buch und kein einzelner Kurs macht neun Stunden Stehen leicht, aber die Kombination aus beidem macht den Sonntag danach erträglicher – das ist die eine Lektion, die bei mir hängengeblieben ist. Morgen stehe ich wieder, aber das Heft ist zu, und das reicht für heute.

Falls dein Körper gerade auch eine neue Geschichte sucht, schau dir die Kurse von RaGarve in Ruhe an, oder fang einfacher an: mit einem Buch, das ehrlich zugibt, wenn eine Übung nicht funktioniert. Ich bin mit der körperlichen Basis der Wirbelsäulentherapie gestartet, bevor ich mich in die Weite von Phaenomen Leben gewagt habe. Aber bei echten Schmerzen ist dein Hausarzt immer die erste Adresse, nicht ein Onlinekurs. Bis nächsten Sonntag.

Schwarzer Kater schläft auf der zusammengerollten Matte in der Küche – Sonntagsritual nach dem Zuklappen des Leinen-Hefts
Bitte beachten: Hier auf der Seite teile ich, was ich selbst durchgemacht habe -- kein medizinischer, finanzieller oder rechtlicher Ratschlag. Was bei mir funktioniert hat, muss bei dir nicht funktionieren. Sprich mit deinem Arzt, Steuerberater oder Anwalt, bevor du Entscheidungen triffst, die wirklich zählen.

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