
Sechs Fragen stelle ich mir inzwischen selbst, wenn jemand in der Buchhandlung in der Großen Elbstraße zusieht, wie ich mich nach dem untersten Regal bücke, und mich danach genau das fragt. Rückengesundheit ist offenbar ein Thema für die halbe Nachbarschaft, nicht nur für mich mit meinem Leinenheft und meinen Notizen zur Wirbelsäulentherapie. Ich beantworte sie hier so, wie ich sie wirklich beantworte: mit dem, was in meinem Alltag als Buchhändlerin funktioniert hat, und mit dem, was nicht.
Helene, meine Kollegin an der Theke in der Großen Elbstraße, hat mich neulich nach einer Leiterschicht schief angesehen und nur gefragt: Zieht's wieder? Sie kennt jeden Bestellschein und jeden Lieferschein auswendig, aber meinen Rücken liest sie mindestens genauso gut.
Der untere Rücken beim Bücken – warum zieht es?
Die ehrliche Antwort: Ganz genau weiß ich das nicht, und das ist auch nicht meine Aufgabe hier. Ich bin Buchhändlerin, keine Orthopädin.
Was ich nach Jahren an der Theke und auf der Leiter beobachtet habe: Der Rücken zieht seltener, wenn die Bewegung aus den Beinen und der Mitte kommt, statt allein aus dem Kreuz. Zieht es beim Bücken vor allem im unteren Rücken und nicht im Bein, ist das für mich das Signal, die Bewegung anders anzugehen, nicht härter zu werden. Dass sich Alltagsstress überhaupt so hartnäckig im unteren Rücken sammelt, ist ein eigenes Thema, das an anderer Stelle ausführlicher behandelt wird. Bei manchen liegt das Ziehen auch eher am Iliosakralgelenk als am Rücken selbst, dafür gibt es wieder eigene Übungen, die ich hier nicht durchgehe.
Ganz sicher ist nur: Die Wirbelsäule ist kein Besenstiel. Sie ist zum Bewegen gemacht, nicht zum Erstarren.
Gerade halten ist oft das Problem, nicht die Lösung
Lange habe ich gedacht, ich müsste meinen Rücken wie eine Festung schützen: steif in die Knie gehen, den Oberkörper unnatürlich aufrecht halten, jede Bewegung vorher durchatmen und anspannen.
Diese Angst vor der Bewegung, die sich einschleicht, sobald man sich einmal richtig verzogen hat, ist ein eigenes Kapitel für sich, ein Kreislauf aus Schonhaltung und noch mehr Verspannung, den andere ausführlicher aufschlüsseln als ich hier. Der Rumpf trägt mehr, wenn er mitarbeitet, statt nur starr zu halten. Auch Rumpfstabilität als eigenes großes Thema spare ich mir für ein anderes Mal.
Ich habe eine Zeit lang versucht, mit Yoga-Videos von YouTube auf dem Wohnzimmerboden mitzuhalten, in der Hoffnung, dass gedehnte Muskeln reichen würden. Hat bei mir nicht funktioniert: Am nächsten Morgen war der Rücken eher steifer als vorher, nicht lockerer.

Zehn Minuten am Morgen – reichen sie aus?
Ob zehn Minuten am Morgen wirklich reichen, ist eine Frage für sich, die einen eigenen ausführlichen Eintrag verdient hat. Hier nur so viel: Kontinuität zählt bei mir mehr als Dauer.
Bei mir zuhause in Altona liegt die Matte zusammengeklappt in der Ecke zwischen Bücherregal und Küchentisch, keine zwei Schritte auseinander. An klaren Tagen blitzt durchs Fenster ein Streifen Elbe auf, und Blasius hat sein Fensterbrett griffbereit, kaum dass die Matte ausgerollt ist.

Alltagstipps zwischen Schonen und Anpassen
Für alle, die wie ich stundenlang im Verkauf stehen, gibt es eigene Übungen gegen die Belastung vom langen Stehen. Das würde hier zu weit führen, deshalb nur der Hinweis.
Manche nennen die Arbeit an genau dieser Art von Verspannung Faszienarbeit, ein eigenes Feld, das an anderer Stelle ausführlich behandelt wird. Ich habe längst gemerkt, wie leicht sich beim langen Stehen ein Hohlkreuz beim langen Stehen im Verkauf einschleicht, wenn ich die Hüfte nicht bewusst ausgleiche.
Am freien Tag laufe ich gern am Elbstrand in Övelgönne. Ebener Boden, ein anderer Untergrund als das Kopfsteinpflaster vor dem Laden, und der Rücken merkt den Unterschied sofort.
Wenn eine Übung nicht hilft
Wenn eine Übung nach zwei, drei Versuchen nichts verändert oder sich komisch anfühlt, lasse ich sie wieder sein. Nicht jede Übung passt zu jedem Rücken, und das ist keine Niederlage.
Das Grundprinzip, warum die Wirbelsäulentherapie überhaupt so aufgebaut ist, erkläre ich an anderer Stelle ausführlicher. Hier nur so viel: Es geht nicht um starre Vorgaben, sondern um Anpassung. Ob das nun dasselbe ist wie klassische Physiotherapie oder etwas eigenes, ist wieder eine andere Frage, die ich woanders im Detail einordne.
Eine Leserin, Birke Hartung, hat mir mal geschrieben, dass sie genau das kennt: eine Übung, die in der Anleitung wunderbar klang und bei ihr trotzdem nichts brachte. Meldet sie sich dazu noch einmal, dann manchmal erst Wochen später, aber die Frage ist bei mir hängengeblieben, genau wie bei ihr.
Woran ich merke, dass sich etwas verändert hat
Neulich habe ich eine Kiste mit Rückläufern die Lagertreppe hochgetragen und oben einfach weitergemacht, ohne kurz stehen bleiben zu müssen, um Luft zu holen. Früher war dieser Zwischenstopp ein fester Programmpunkt.

Auch bewusstes Atmen in den Bauch hinein spielt eine Rolle, wenn sich die Wirbelsäule entspannen soll, ein eigenes Kapitel, das ich hier nicht aufschlage. Was die Brustwirbelsäule mit einer aufrechten Haltung zu tun hat, ist ebenfalls ein eigenes Thema, das ich nur streife.
Die Feder kratzt inzwischen fast leer übers Papier, wenn ich abends solche Fragen für mich sortiere. Zeichen, dass ich bald ein neues Heft brauche, nicht dass der Rücken fertig ausgelernt hat.
Wer wissen will, wie sich das im Alltag der Buchhandlung übersetzt, findet mehr dazu im Eintrag über den Alltag in der Buchhandlung leichter machen kann. Wer nach Feierabend noch etwas sucht, dem lege ich die sanfte Abendroutine für den Rücken ans Herz.
Ich bin keine Ärztin, keine Heilpraktikerin und keine Physiotherapeutin, ich bin eine Frau, die seit Jahren Kisten schleppt und irgendwann lernen musste, auf ihren Körper zu hören. Wenn du selbst anhaltende Rückenschmerzen hast, sprich bitte mit einem Orthopäden oder einer Physiotherapeutin, bevor du neue Übungen beginnst. Was bei mir funktioniert, muss nicht für jeden der richtige Weg sein.