Rückenschmerzen bei der Hausarbeit vermeiden mit rückenfreundlichen Tipps

Eine halbe Stunde Fensterputzen schmerzt manchmal mehr als neun Stunden zwischen Regalen, Leiter und Kassenband in der Buchhandlung an der Großen Elbstraße. Das begleitet mich, seit ich mich über die Wirbelsäulentherapie näher mit meiner eigenen Rückengesundheit beschäftige. Neun Stunden Stehen, Bücken, Heben – das steckt mein Kreuz meistens weg. Zwei Stunden Staubsaugen und Wäscheaufhängen dagegen schicken mich manchmal für den Rest des Abends auf die Matte. Das allein wäre schon ein Rätsel. Kurioser wird es, wenn man bedenkt, was die meisten Rückentipps zur Hausarbeit predigen: Rücken gerade, Bauch anspannen, bloß nicht krumm stehen.

Der Mythos vom immer geraden Rücken hält sich hartnäckig

Der Ratschlag klingt vernünftig, und trotzdem widerspricht er dem, was ich in der Wirbelsäulentherapie gelernt habe: Ein Rücken, der über Minuten oder gar Stunden krampfhaft in derselben Position gehalten wird, ermüdet schneller als einer, der sich bewegen darf. In der Buchhandlung merke ich das ständig – wenn eine Stammkundin mich bittet, im Lager nach einem bestimmten Titel zu suchen, bewege ich mich dort nicht steif wie ein Zinnsoldat, sondern wechsle ganz automatisch zwischen Bücken, Strecken und Drehen. Zu Hause, vor dem Staubsauger oder dem Bügelbrett, vergesse ich genau das.

Meine Nachbarin Finja, die im zweiten Stock über mir wohnt und in einer Praxis in Eimsbüttel als Physiotherapeutin arbeitet, treffe ich oft am frühen Abend im Treppenhaus. Wenn ich ihr erzähle, welche Übung ich gerade aus einem Kurs probiere, hört sie höflich zu und sagt nichts dazu, solange ich sie nicht ausdrücklich frage. Genau dieses Schweigen hat mich irgendwann misstrauisch gemacht gegenüber der Idee, es gäbe eine einzige richtige Haltung fürs Putzen.

Das passiert wirklich, wenn du dich beim Putzen zwingst, aufrecht zu bleiben

Wer sich beim Staubsaugen oder Fensterputzen bewusst zwingt, den Oberkörper starr gerade zu halten, verspannt die Muskulatur im unteren Rücken eher, statt sie zu entlasten – genau in der Gegend, in der auch die Bandscheiben liegen. Die Wirbelsäule ist auf Bewegungswechsel angelegt, nicht auf Stillstand in aufrechter Position. Das habe ich in der Wirbelsäulentherapie so verstanden, auch wenn ich keine Physiotherapeutin bin und das nicht mit medizinischer Autorität behaupte.

In der kleinen Rückengruppe, die sich einmal im Monat in Altona trifft, sitzt auch Thordis Benner, die selbst Feldenkrais übt. Sie hat ein untrügliches Gespür dafür, wenn jemand übertreibt, und als ich einmal beiläufig sagte, seit ich „auf meine Haltung achte", sei alles gut, zog sie nur eine Augenbraue hoch. Sie hatte recht: Es war nie die eine Haltung, die etwas verändert hat, sondern dass ich aufgehört habe, mich in eine einzige Position zu zwingen.

Rückenschonendes Staubsaugen unter einem schweren Regal – Bewegungswechsel statt Rückenschmerzen bei der Hausarbeit

Schwere Taschen von der Rindermarkthalle bis zur Küchentheke

Am Wochenende trage ich oft zwei volle Stoffbeutel von der Rindermarkthalle in Altona nach Hause – Kartoffeln, ein Kohlkopf, was gerade Saison hat. Genau auf dieser kurzen Strecke merke ich am ehesten, ob ich die Taschen starr vor dem Körper hertrage oder das Gewicht abwechselnd von einer Seite zur anderen verlagere und die Schritte dabei aus der Hüfte statt aus dem Kreuz führe.

Zu Hause geht der gleiche Fehler weiter, nur unauffälliger. Die Arbeitshöhe meiner Küchenzeile ist, was sie ist – ich kann sie nicht von einem Tag auf den anderen ändern. Was ich ändern kann, ist, wie oft ich die Position wechsle, während ich dort stehe: mal einen kontrollierten Ausfallschritt beim Abwaschen, mal in die Knie statt in den Rücken, wenn die schwere gusseiserne Pfanne aus dem unteren Schrank soll.

Ein Kirschkernkissen nach dem Abendessen auf den Rücken gelegt, wie es mir eine Kundin einmal in der Buchhandlung empfahl, hat bei mir nie wirklich etwas verändert. Angenehm warm, keine Frage – aber am nächsten Morgen war das Ziehen unverändert da. Wärme allein ersetzt keinen Bewegungswechsel.

Alltagsbewegung statt eingefrorener Haltung

Neulich, beim Neuaufbau der Schaufensterauslage, stützte ich mich mit beiden Händen flach auf dem Boden ab, um die unterste Stapelreihe gerade zu rücken. Kein Ziehen, keine Schonhaltung danach – nur die Hüften, die den Bogen machen, nicht der Rücken. Das ist die ganze Alltagsbewegung, um die es eigentlich geht: Bewegung aus der Hüfte statt aus der Lendenwirbelsäule.

Bevor ich überhaupt zur ersten Übung komme, ist da morgens nur dieses kühle Gefühl unter den nackten Sohlen für einen Moment – dann geht es los. Die zehn Minuten, die ich morgens übe, ändern an sich wenig, wenn ich abends beim Bettenbeziehen zurück in alte Muster falle. Der Unterschied entsteht erst, wenn die Bewegung aus der Matte in den Haushalt wandert.

Was im Bindegewebe passiert, wenn man sich stundenlang in eine Richtung zwingt, lässt sich eher mit Faszientraining lösen als mit einem einzigen „richtigen" Stand vorm Bügelbrett. Und dass sich Alltagsstress ausgerechnet im unteren Rücken sammelt, wenn der Kopf beim Kassemachen noch bei drei anderen Dingen ist, habe ich an genug Ladenschluss-Abenden gemerkt.

Ergonomische Haltung beim Gemüseschneiden in der Küche – Hüftbeugung gegen Rückenschmerzen im Alltag

Wechsle die Bewegung, bevor der Rücken sie einfordert

An der Kasse, wo ich vier Tage die Woche stehe, gleiche ich das inzwischen anders aus als am Anfang: Gewicht verlagern, kurz auf die Zehenspitzen, das Knie lösen, bevor es sich verschließt. Genau dieses Prinzip – kleine Wechsel statt großer Ausnahmen – trage ich seit inzwischen zwei Jahren Wirbelsäulentherapie auch in die Wohnung.

Auch eine bessere Haltung beim Gehen zur Entlastung der Lendenwirbelsäule hilft mir zwischen den Zimmern, wenn ich von der Waschmaschine zum Wäscheständer und wieder zurück laufe. Es ist kein Zufall, dass genau die Bewegungen helfen, die ich auch zwischen den Regalen in der Buchhandlung automatisch mache.

Nach einem langen Tag an der Theke frage ich mich manchmal, wie viel von dem, was gegen eine steife Wirbelsäule nach einem langen Arbeitstag hilft, überhaupt greift, wenn ich zu Hause sofort wieder in dieselbe Haltung falle. Die Antwort, die für mich zählt, hat mit „gerade halten" wenig zu tun. Der Rücken merkt sich Bewegung, nicht Haltung – das lässt sich beim Staubsaugen genauso üben wie auf der Matte.

Bitte beachten: Hier auf der Seite teile ich, was ich selbst durchgemacht habe -- kein medizinischer, finanzieller oder rechtlicher Ratschlag. Was bei mir funktioniert hat, muss bei dir nicht funktionieren. Sprich mit deinem Arzt, Steuerberater oder Anwalt, bevor du Entscheidungen triffst, die wirklich zählen.

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