
Ein Regal mit ausgestrecktem Arm einzuräumen fühlt sich komplett anders an als dasselbe Regal mit aufgerichtetem Rücken einzuräumen – und in diesem einen Unterschied steckt eigentlich schon die ganze Wirbelsäulentherapie, mit der ich mich seit einer Weile beschäftige. An der Kasse in der Buchhandlung an der Großen Elbstraße werde ich oft gefragt, was gegen einen Rücken hilft, der den ganzen Buchhandels-Alltag mitträgt – von Kolleginnen, von Kundinnen, manchmal von Leserinnen, die mir schreiben. Die Antworten, die ich am ehesten geben kann, kommen nicht aus einem Lehrbuch, sondern aus meiner eigenen Körper-Mitte und aus dem, was für meine Rückengesundheit tatsächlich funktioniert hat – und was nicht.
Bevor es weitergeht, kurz und ehrlich: Ein paar Links hier führen zu Onlinekursen, über die ich eine Provision bekomme, wenn du darüber buchst – teurer wird es für dich dadurch nicht. Ich schreibe nur über das, was ich selbst auf meiner Matte ausprobiert habe, die vollständige Offenlegung steht am Ende der Seite. Und weil das wichtig ist: Ich bin Buchhändlerin, keine Ärztin, keine Physiotherapeutin. Bei akuten Beschwerden gehört der erste Weg zum Orthopäden oder zur Hausärztin, nicht zu einem Kurs im Internet.
Was hilft wirklich gegen einen Rücken, der den ganzen Buchhandels-Alltag mitträgt?
Dienstagmorgens kommen die Kartons mit den Neuerscheinungen an, und einzelne Pakete bringen ordentlich Gewicht auf die Waage. Wer die Palette abräumt und die Bände einzeln ins Lager trägt, merkt schnell, dass ein abgebrochenes Germanistik-Studium und echte Trageleistung zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Ich stehe an vier Tagen die Woche jeweils neun Stunden an der Theke, auf der Leiter oder vor der Auslage, und genau dort, im ständigen Wechsel zwischen Kasse und unterem Regalbrett, entsteht der größte Teil meiner Rückenprobleme.
Langes Stehen auf hartem Boden ohne Ausgleichsbewegung lässt die Hüftbeuger verkürzen, und das zieht am unteren Rücken. Stress und Dauerbelastung im Alltag spielen dabei mindestens so sehr mit wie das Heben selbst, dazu habe ich an anderer Stelle mehr geschrieben. Das Prinzip hinter der Wirbelsäulentherapie selbst erkläre ich hier nicht noch einmal von Grund auf, dazu gibt es einen eigenen Eintrag – für den Alltag in der Buchhandlung zählt vor allem, dass sich einzelne Handgriffe zu einem Muster zusammenfügen, das dem Rücken hilft, sich selbst zu tragen.
Genau deshalb bin ich vor einer Weile bei der Wirbelsäulentherapie [Mein Einstieg] hängengeblieben, einem Kurs mit acht Modulen und über 50 kurzen Videos, insgesamt ungefähr sechs Stunden Material – überschaubar genug, um ihn neben Kasse und Auslage tatsächlich unterzubringen.

Zehn Minuten zwischen Bücherregal und Küchentisch
Meine Matte liegt zusammengefaltet zwei Schritte vom Regal entfernt, direkt neben dem Küchentisch, auf dem das Leinenheft liegt. Am Südwestfenster zeichnet sich bei klarem Wetter die Elbsilhouette ab, und wenn ich Glück habe, hat Blasius, mein schwarzer Kater, das Fensterbrett noch nicht besetzt.
Zehn Minuten am Morgen reichen mir meistens, nicht weil mehr nicht besser wäre, sondern weil zehn Minuten die Menge sind, die ich verlässlich schaffe, bevor der Laden aufsperrt. Eine kürzere Morgenroutine mit wenig Platz habe ich an anderer Stelle ausführlicher aufgeschrieben, hier reicht der Hinweis: wenig Zeit ist kein Hinderungsgrund. Wenn der Rücken nach einem langen Arbeitstag richtig steif wird, hilft es, sich anzuschauen, was gegen eine steife Wirbelsäule nach einem langen Arbeitstag wirklich wirkt – bei mir ist es meistens eine einzelne, ruhige Bewegung, keine ganze Abfolge.

Wenn die Yoga-Videos vom Wohnzimmerboden nicht reichen
Yoga-Videos aus dem Internet habe ich auch ausprobiert, auf dem Wohnzimmerboden, mit angehaltenem Atem, weil ich Angst hatte, etwas falsch zu machen. Es hat nichts gebracht. Die Anweisungen waren zu allgemein für einen Rücken, der sich an einen ganz bestimmten Alltag mit Kisten und Leiter gewöhnt hat, und irgendwann blieb die Matte nur noch ungenutzt in der Ecke liegen.
Angst vor der falschen Bewegung ist dabei fast das größere Problem als der Rücken selbst – wer sich vor jeder Übung sorgt, ob sie schadet, spannt sich genau da an, wo es locker bleiben sollte. Wie man aus diesem Kreis wieder rauskommt, ist ein eigenes Thema, das ich hier nicht vertiefe.
So unterscheiden sich Wirbelsäulentherapie und Physiotherapie
Physiotherapie war bei mir in Ordnung, aber sie blieb an der Praxistür stehen – danach war ich wieder allein mit meinem Rücken. Wirbelsäulentherapie und Physiotherapie sind für mich deshalb keine Konkurrenten, sondern zwei verschiedene Baustellen; die eine behandelt einen akuten Zustand, die andere baut ein tägliches Muster auf, mehr dazu an anderer Stelle.
Besonders das Iliosakralgelenk ist bei uns Buchhändlerinnen eine Schwachstelle, weil wir ständig zwischen Kasse und unterem Regalbrett wechseln, und spezielle Übungen für das Iliosakralgelenk nehme ich inzwischen ernster.
Fasziale Verspannungen sind ein eigenes Thema, das ich hier nicht vertiefe, ein anderer Eintrag geht ausführlich darauf ein. Und weil Kontinuität mehr bringt als Perfektion, gehe ich auch bei stressigen Schichten anders mit dem Stehen um: kurze Positionswechsel, bewusstes Absetzen des Gewichts, kein starres Durchstehen bis zum Feierabend.
Genau dieses Umdenken kommt aus der Wirbelsäulentherapie, nicht nur aus den zehn Minuten auf der Matte, sondern aus dem, was davon in den Rest des Tages hinüberschwappt.
Meine Antwort auf Fragen zur Wirksamkeit
Helene, meine Kollegin an der Theke, hat selbst nie Rückenprobleme gehabt, aber sie merkt es schweigend, wenn ich nach einer Leiterschicht humple. Sie liest ausschließlich Übersetzungen aus dem Skandinavischen und fragt mich manchmal zwischen zwei Kundinnen, ob das mit der Matte wirklich etwas bringt oder ob ich mir das nur einrede.
Ähnliches schreibt mir Birke Hartung, eine Leserin, ab und zu – ohne mich je zu korrigieren, aber immer vorsichtig umformuliert, fragt sie, ob das, was ich beschreibe, auch für einen Rücken funktionieren könnte, der nach zwanzig Jahren im Schuldienst ganz andere Jahre auf dem Buckel hat als meiner. Ich antworte dann ungefähr das, was hier steht: ausprobieren, klein anfangen, und ehrlich aufschreiben, wenn eine Woche mal gar nichts bringt.
Wenn der Kopf mehr Sortierung braucht als der Rücken, höre ich inzwischen auch mal in Phaenomen Leben [Weite] rein, meistens beim Spazierengehen am Elbstrand Övelgönne – weniger körperlich, aber ein guter Ausgleich zu einer Woche voller Bestellscheine und Reklamationen.
Falls du selbst einen Job hast, der den Rücken fordert: Fang klein an, ein Laptop auf dem Küchentisch und ein bisschen Platz für eine Matte reichen völlig. Die Wirbelsäulentherapie war für mich ein guter erster Schritt, muss aber nicht der einzige Weg sein.

Ich merke inzwischen, wenn sich wirklich etwas verändert
Neulich bin ich morgens aufgewacht und aus dem Bett gestiegen, ohne den ersten, ziehenden Schmerzmoment, den ich seit 2022 kenne – das erste Mal, dass der Rücken einfach still geblieben ist.
Das ist kein Beweis für irgendetwas Großes, eher ein einzelner Morgen, der anders war als die meisten davor. Ob es an der Matte liegt, am Umdenken beim Stehen oder einfach an einer guten Nacht, kann ich nicht sicher sagen, aber genau solche einzelnen Morgen sind es, auf die ich inzwischen achte, nicht auf ein großes Versprechen von Heilung.
Wenn dich interessiert, wie andere das Thema von einer ruhigeren Seite angehen, findest du in meinen Notizen dazu, welche Bücher über ganzheitliche Heilung mich an freien Tagen begleiten. Manchmal hilft ein Kapitel mehr als eine weitere Übung.