
Drei Ampelphasen halte ich im Auto normalerweise durch, bevor sich mein unterer Rücken beim Warten meldet – in der Hamburger S-Bahn reicht dafür oft schon die Strecke bis zur zweiten Station. Diese kleine Rechnung mache ich inzwischen automatisch, jedes Mal, wenn ich nach der Schicht in der Buchhandlung entscheiden muss: Auto oder S-Bahn nach Hause, und wie viel von dem, was ich in der Wirbelsäulentherapie geübt habe, dabei überhaupt noch trägt.
Kurz zur Offenlegung, bevor es weitergeht: Manche Links in diesem Text sind Affiliate-Links, über die ich eine Provision bekomme, ohne dass für dich etwas teurer wird. Buchhändlerin bin ich, keine Physiotherapeutin, und ich schreibe nur über das, was ich selbst auf meiner Matte und in meinem Heft durchgearbeitet habe. Bei ernsthaften Rückenproblemen gehört der erste Weg zum Orthopäden, nicht zu einem Onlinekurs.
Der Rücken im Auto und in der S-Bahn
Nach neun Stunden zwischen Theke, Leiter und Lager in der Buchhandlung an der Großen Elbstraße ist die Heimfahrt selten eine Erholung. Im Auto sitzt die Lendenwirbelsäule über Kilometer in derselben Position fest, während sich die Hüftbeuger an den Sitzwinkel anpassen und genau dort bleiben. In der S-Bahn Hamburg ist es umgekehrt: kein fester Sitzplatz, ständiges Ausbalancieren bei jedem Bremsen, dafür wenigstens Bewegung in der Hüfte. Fehlbelastung hört nach der Theke nicht auf, zusammengezogene Hüftbeuger verlängern in der Bahn nur, was der Arbeitstag begonnen hat.
Einen klaren Gewinner gibt es zwischen den beiden Optionen nicht, nur unterschiedliche Schwachstellen. Das Auto hält die Hüfte starr, die Bahn fordert ständig neue Balance, und je nachdem, wie die Schicht davor war, reagiert der Rücken auf die eine oder die andere Belastung empfindlicher.
Meine Wirbelsäulentherapie-Praxis existiert genau für diese Lücke zwischen den beiden Verkehrsmitteln, nicht um eines von beiden zu ersetzen, sondern um dem Rücken eine Grundspannung zu geben, die weder das Sitzen noch das Stehen ihm allein liefert. Was genau dahintersteckt, habe ich an anderer Stelle in meinem Heft ausführlicher aufgeschrieben – hier zählt nur, was es fürs Pendeln bringt.

Das Sitzkissen, das nichts gebracht hat
Ein orthopädisches Sitzkissen für den Kassenarbeitsplatz war mein erster Versuch, das Problem an der Wurzel zu packen. Es sollte die Minuten ausgleichen, in denen ich zwischendurch sitze, um Bestelllisten vom Hanser-Verlag durchzugehen. Schon bald lag es meistens ungenutzt unter der Kasse – es half gegen das Sitzen, aber nicht gegen das, was das lange Stehen davor im unteren Rücken aufgebaut hatte.
Helene von der Theke nebenan, gerade wieder in einer Übersetzung aus dem Schwedischen vertieft, hat mich einmal gefragt, ob das Kissen überhaupt etwas bringt. Zugeben musste ich: nein, jedenfalls nicht das, was ich mir erhofft hatte. Was am Stehen selbst kompensiert werden muss, lässt sich mit einem Kissen unterm Sitzfleisch nicht lösen – das ist eine andere Übung, eine andere Geschichte in meinem Heft.
Wer nach Alternativen sucht, stößt oft auf die Idee, dass Yoga bei chronischen Rückenschmerzen im unteren Rücken oft nicht ausreicht, und das deckt sich mit meiner Erfahrung an der Theke: Dehnung allein bringt nicht die Grundspannung, die es fürs lange Stehen braucht. Was an Faszientraining dahintersteckt, spare ich mir für einen anderen Sonntag im Heft; hier reicht der Hinweis, dass es genau die Spannung löst, die sich beim Stehen und beim Sitzen aufbaut.
Ein Vorteil, den nur die S-Bahn bietet
Was das Auto nicht kann: mittendrin aussteigen. An manchen Abenden fahre ich bewusst eine Station zu früh raus und laufe ein Stück am Isemarkt unter der Hochbahn entlang, vorbei an den Ständen, die um diese Zeit schon abgebaut werden. Diese paar hundert Meter zu Fuß bringen die Hüfte in eine Bewegung, die weder das Sitzen im Auto noch das Stehen in der Bahn liefert.
Am Donnerstag hob ich morgens Blasius vom Fensterbrett, so beiläufig wie sonst auch, und erst beim Kaffeekochen fiel mir auf: Der Rücken hatte sich gar nicht gemeldet. Kein Ziehen, kein Warten darauf, dass es gleich kommt. Ob es an diesem Umweg lag, an den Übungen auf der Matte oder einfach an einem guten Tag, weiß ich nicht – aber genau solche Momente sind es, die ich mir notiere, ohne sie gleich zu einem Beweis aufzublasen.
Diese kurzen Umwege nutze ich inzwischen auch, um in Verborgene Weltgeschichte reinzuhören, den Kurs mit den langen historischen Kapiteln, die gut zu einem Spaziergang passen, ohne dass der Kopf beim Laufen leer bleibt. Meine zehn Minuten am Morgen mit der Matte beschreibe ich an anderer Stelle genauer; hier zählt nur, dass sie der feste Anker sind, egal ob der Tag mit dem Auto oder der Bahn endet.

So entscheide ich zwischen Auto und Bahn
Eine feste Regel gibt es nicht, aber inzwischen eine Faustregel: Bleibt die Strecke unter drei Stationen, nehme ich die S-Bahn und nutze bewusst das Schwanken beim Bremsen, um die Hüfte zu bewegen, statt mich irgendwo festzuklammern. Ist der Weg länger als eine halbe Stunde mit dem Auto, baue ich lieber einen kurzen Stopp zum Aussteigen ein, statt die ganze Strecke am Stück zu sitzen.
Für alles dazwischen entscheidet der Tag selbst: Nach einer Schicht mit vielen Leiterstufen wähle ich eher die Bewegung der Bahn, nach einem ruhigen Tag an der Auslage stört mich das Sitzen im Auto kaum. Zwischen den Terminen hilft es außerdem, sich im Alltag insgesamt bewusster zu bewegen, wie ich es in Bessere Haltung beim Gehen zur Entlastung der Lendenwirbelsäule aufgeschrieben habe.
Wer wie ich Pendelstrecken zwischen Buchhandlung, Auto und S-Bahn ausgleichen will, findet in der Wirbelsäulentherapie einen ruhigen Ansatzpunkt – kein Versprechen auf einen schmerzfreien Rücken, sondern eine Grundlage, die sich sowohl im Sitzen als auch im Stehen bewährt.
Blasius hat sich längst wieder auf der Matte zwischen Bücherregal und Küchentisch eingerollt, während draußen am Südwestfenster die Elbsilhouette im letzten Licht verschwimmt. Ob es am Ende das Auto ist oder die Bahn, spielt für ihn ohnehin keine Rolle – Hauptsache, irgendwann klappe ich das Heft zu und setze mich zu ihm.