Die richtige Sitzposition beim Lesen: Wie mein Rücken in Altona wieder Frieden fand

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Meine linke Hüfte knackt bei jedem Aufstehen vom Küchenstuhl, ein kurzes, trockenes Geräusch, mehr nicht, mit meiner Sitzhaltung beim Lesen hat das übrigens nichts zu tun, auch wenn ich das lange geglaubt habe. Für die Rückengesundheit einer Buchhändlerin, die den Feierabend am liebsten mit einem Roman verbringt, war genau dieser Irrtum jahrelang das eigentliche Problem: die Vorstellung, es gäbe eine einzige richtige Haltung zum Lesen, und wer sie nur lange genug hält, dem tut nichts mehr weh. Meine Lesegewohnheiten haben sich seither ziemlich verändert, aber nicht in die Richtung, die ich erwartet hätte.

Der Satz, den ich am häufigsten höre, ist immer eine Variante von: Setz dich gerade hin, dann tut nichts mehr weh. Er klingt vernünftig. Er ist trotzdem falsch, jedenfalls so, wie die meisten ihn meinen, als gäbe es eine Position, die man finden und dann für den Rest des Abends halten müsste. Was tatsächlich hilft, ist eher das Gegenteil: öfter wechseln, bevor der erste Ziehschmerz kommt, statt nach der einen perfekten Haltung zu suchen.

Der Mythos von der einen perfekten Sitzhaltung

Helene, meine Kollegin an der Theke in der Großen Elbstraße, sitzt fast immer kerzengerade, wenn sie die Lieferscheine durchgeht — sie kennt jede Bestellung und jeden Posten praktisch auswendig, noch bevor sie den Zettel zu Ende gelesen hat. Nach ihrer Haltung könnte man ein Lehrbuch bebildern. Trotzdem klagt sie öfter über steife Finger als ich über meinen Nacken. Die eine „korrekte" Haltung schützt offenbar nicht automatisch vor Beschwerden, sie verlagert sie höchstens.

Dass der untere Rücken im Alltag ohnehin permanent unter Spannung steht, lange bevor überhaupt ein Buch aufgeschlagen wird, ist noch mal ein eigenes Thema, über das ich woanders ausführlicher schreibe. Hier reicht der Hinweis, dass die Lesehaltung selten die einzige Ursache ist, auch wenn sie den Ärger am Abend am sichtbarsten macht.

Warum starres Geradesitzen den Nacken nicht schont

Bewegung ist der Punkt, den viele Ratgeber auslassen. Nicht der Winkel, in dem der Kopf über dem Buch hängt, macht den Nacken zu, sondern das stundenlange Stillhalten in genau diesem Winkel, ganz egal, ob er als „richtig" gilt oder nicht. Einmal habe ich es mit wirklich diszipliniertem, kerzengeradem Sitzen am Küchentisch probiert, so wie es manche Ratgeberseiten nahelegen. Nach kurzer Zeit zog es trotzdem im Nacken, nur eben etwas anders als vorher.

Gerade im Hamburger Schietwetter wird das noch deutlicher: Wenn es draußen naß und kalt ist und ich drinnen stundenlang in derselben Lesehaltung verharre, zieht es schneller als im Sommer. Ich habe schon mal aufgeschrieben, was gegen Rückenschmerzen bei Kälte hilft, und der Kern ist derselbe: Kälte macht das Stillhalten unangenehmer, sie ist nicht selbst das Problem. Inzwischen verstehe ich auch besser, warum die Wirbelsäulentherapie Übungen für zuhause bei mir endlich funktionieren – nämlich genau deshalb, weil sie nie eine einzige perfekte Haltung verlangen, sondern eher den ständigen Wechsel.

Das Kissen, das am Kassenarbeitsplatz nichts brachte

Am Kassenarbeitsplatz habe ich vor einer Weile ein orthopädisches Sitzkissen ausprobiert, gedacht für die Stunden an der Theke. Es sollte das Becken in eine neutrale Position zwingen und jede Fehlhaltung angeblich von selbst korrigieren. Irgendwann habe ich es wieder unter den Tresen geschoben. Es half nicht, weil es genau das Gegenteil von dem tat, was der Rücken eigentlich brauchte: Es hielt mich in einer einzigen Stellung fest, anstatt mir zu erlauben, das Gewicht immer wieder zu verlagern.

Eine Leserin hier auf der Seite, Birke Hartung, hatte mir vor einer Weile genau danach gefragt: ob es nicht doch eine Haltung gebe, die man sich einfach nur oft genug angewöhnen müsse. Sie antwortet auf Antworten manchmal erst nach Wochen, so auch diesmal, aber als die Nachricht kam, stand genau der gleiche Gedanke drin, zu dem ich selbst gekommen war: Nicht die Haltung ist das Ziel, sondern der Wechsel zwischen mehreren.

Ergonomie im Alltag: öfter die Haltung wechseln als die perfekte suchen

Zuhause in Altona wechsle ich bewusst zwischen drei Plätzen: dem Küchentisch, wo das Leinen-Heft liegt und wo ich die schwersten Bildbände aus dem Laden als Podest für das aktuelle Buch nutze, damit sich der Kopf nicht so tief neigen muss; dem Sessel, wo ein festes Kissen im Kreuz die Krümmung stützt und ein zweites, weicheres unter den Unterarmen liegt; und, wenn Blasius es zulässt, ein paar Minuten auf der zusammengefalteten Matte in der Ecke beim Bücherregal. Keine dieser drei Positionen ist die richtige. Zusammen ergeben sie eher einen Kreislauf, der den Rücken davor bewahrt, sich irgendwo festzusetzen.

Ergonomie im Alltag: ein Stapel schwerer Bildbände dient am Küchentisch als Buchstütze auf Augenhöhe

Zehn Minuten am Morgen auf der Matte gehören noch mal in ein ganz anderes Kapitel, das an anderer Stelle genug Platz bekommt. Was Faszientraining bei einer chronischen Verspannung bewirkt, ist ebenfalls ein eigenes Thema für sich. Hier zählt nur: Sitzen beim Lesen ist keine Übung, die man einmal richtig lernt und dann für immer beherrscht.

Rückengesundheit beim Lesen: ein Sessel mit stützenden Kissen für Kreuz und Unterarme in einer Altonaer Wohnung

Woran erkennst du, dass deine Haltung dir schadet?

Ein brauchbares Zeichen ist nicht die Uhr, sondern der erste Ziehschmerz: Sobald sich im Nacken oder im unteren Rücken dieses erste, ziehende Unbehagen meldet, ist das der Moment, die Stellung zu wechseln, nicht erst, wenn es richtig wehtut. Wer wartet, bis der Schmerz eindeutig ist, hat die eigentliche Warnung schon verpasst.

Zieht der Schmerz dagegen ins Bein, kribbelt er oder wird taub, ist das kein Zeichen mehr für die falsche Sitzhaltung, sondern ein Grund, zum Arzt zu gehen — dazu habe ich extra Tipps zum Ischiasnerv aufgeschrieben. Wie man langes Stehen im Verkauf ausgleicht, ist noch mal eine andere Geschichte als das Sitzen beim Lesen, mit eigenen Antworten, die hier nicht hineingehören.

Neulich bin ich aufgewacht, und der erste Schritt aus dem Bett tat nicht weh, zum ersten Mal, seit dieser Rücken 2022 angefangen hat zu ziehen. Kein großer Moment, kein Beweis für irgendetwas, nur ein Morgen, an dem nichts zog. Das Leinen-Heft liegt schon wieder auf dem Küchentisch, für heute Abend. Vielleicht sitze ich gleich im Sessel, vielleicht auf dem Boden neben dem Regal. Beides ist richtig genug.

Bitte beachten: Diese Webseite dient ausschließlich der Information und Unterhaltung. Ich bin keine Ärztin und besitze keine medizinische Ausbildung. Die hier geteilten Erfahrungen ersetzen keinen ärztlichen Rat. Bitte konsultiere bei akuten oder chronischen Schmerzen immer einen Arzt oder Physiotherapeuten, bevor du neue Übungen beginnst.

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