10 Minuten Rückenübungen für den Morgen bei wenig Platz in der Wohnung

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Es ist Sonntagabend, der 24. Mai 2026. Draußen über der Elbe hängt dieser diesige Schleier, der die Hafenkräne fast wie Zeichnungen in einem alten Bildband aussehen lässt. In meiner Altonaer Küche pfeift der Wasserkocher, und Blasius, mein schwarzer Kater, hat sich bereits strategisch günstig auf meiner zusammengerollten Matte platziert. Er weiß genau, dass jetzt die Zeit kommt, in der ich mein Leinen-Heft aufschlage und die Woche sortiere. Seit über zwei Jahren schreibe ich hier nun schon auf, wie es meinem unteren Rücken geht, und heute denke ich darüber nach, wie sehr ich früher geglaubt habe, dass meine 45 Quadratmeter einfach zu klein für eine vernünftige Körperarbeit sind.

Altona-Nord: Wo die Matte das einzige freie Territorium ist

Wenn man in einer Wohnung lebt, in der jedes zweite Möbelstück ein Bücherregal ist und die Flure so schmal sind, dass man sich beim Vorbeigehen fast an den Buchrücken entschuldigen möchte, lernt man Bescheidenheit. Mein Arbeitsalltag in der Buchhandlung in der Großen Elbstraße verlangt mir viel ab. Vier Tage die Woche stehe ich neun Stunden an der Theke, klettere auf Leitern, um die obersten Reihen der Weltliteratur zu erreichen, oder wuchte Kisten mit Hardcovern durch das Lager. Mein Rücken fühlte sich oft an wie ein schlecht gebundenes Buch – steif, unnachgiebig und kurz davor, aus dem Leim zu gehen.

Ich habe es neulich mal ausgemessen: Die freie Fläche zwischen meinem Küchentisch und dem Regal mit den Neuerscheinungen beträgt exakt 1,52 Quadratmeter. Das ist mein Aktionsradius. Mehr habe ich nicht, aber mehr brauche ich auch nicht. In der Wirbelsäulentherapie nach Reichl, auf die ich vor zwei Jahren gestoßen bin, habe ich gelernt, dass Heilung kein Fitnessstudio braucht, sondern Beständigkeit auf kleinstem Raum. Manchmal kommen Kunden in den Laden und fragen nach Ratgebern für riesige Heim-Gyms, und ich lächle dann nur still in mich hinein, während ich an meine kleine Matten-Insel denke.

Eine Yogamatte auf engem Raum zwischen einem Küchentisch und einem Bücherregal.

Das Missverständnis mit dem morgendlichen Reißen

Früher dachte ich, ich müsste mich morgens erst einmal „lang machen“, um den Tag zu überstehen. Ich habe versucht, meine Zehen zu berühren, während der Kaffee durchlief, und dabei fast die Stapel mit den Taschenbüchern im Flur umgestoßen. Aber es fühlte sich nie richtig an. Es war ein Ziehen, das eher schmerzhaft als befreiend war. Ein bisschen wie ein Buch, das man mit Gewalt aufschlägt, obwohl die Seiten noch verklebt sind.

Einer der wichtigsten Punkte, die ich in den letzten Monaten verstanden habe: Statisches Dehnen direkt nach dem Aufstehen ist oft nicht das, was ein müder Buchhändler-Rücken braucht. Die Muskulatur ist noch kühl. Wenn man dann mit Gewalt versucht, Weite zu schaffen, riskiert man eher kleine Verletzungen. Stattdessen setze ich jetzt auf isometrische Anspannung und sanfte Mobilisation. Ich dehne nicht gegen einen Widerstand an, sondern ich aktiviere die Muskulatur, um die Wirbelsäule von innen heraus zu stützen. Das Verletzungsrisiko sinkt, und das Gefühl der Stabilität bleibt den ganzen Tag erhalten, selbst wenn ich mittags schwere Pakete mit Bildbänden ins Lager schleppen muss. Da hilft es übrigens auch ungemein, sich daran zu erinnern, wie man richtig hebt bei Rückenschmerzen im Job, damit die Morgenroutine nicht direkt wieder verpufft.

Meine 10 Minuten auf dem Linoleum

Mein Wecker klingelt meistens früh, damit ich diese zehn Minuten habe, bevor Altona richtig wach wird. Blasius wartet meistens schon. Bevor ich überhaupt an den ersten Bestellschein denke, schiebe ich den Küchentisch ein kleines Stück beiseite. Meine Routine besteht aus drei einfachen Phasen, die ich in einer festen Sequenz durchführe. Ich nenne sie meine „Überlebens-Trias“ für den Einzelhandel.

Ich bin natürlich keine Physiotherapeutin und keine Ärztin – ich bin nur eine Buchhändlerin, die ihren eigenen Körper beobachtet. Falls du wirklich anhaltende Probleme hast, solltest du das unbedingt mit einem Orthopäden abklären, bevor du selbst auf die Matte gehst. In meinem Fall waren diese meine Wirbelsäulentherapie Erfahrungen der Schlüssel, um überhaupt wieder schmerzfrei durch den Laden zu kommen.

Ein schwarzer Kater sitzt neben einem Notizbuch und einem Stapel Büchern.

Wenn die Routine bröckelt: Ein Dienstag im Mai

Ich möchte hier nicht den Eindruck erwecken, dass ich jeden Morgen wie eine programmierte Maschine auf der Matte stehe. Letzten Dienstag zum Beispiel war so ein Tag. Der Regen peitschte gegen das Küchenfenster, Blasius hatte in der Nacht eine Vase mit Tulpen umgeworfen, und ich hatte eine Retourenliste vor mir, die länger war als die Warteschlange vor der Elphi. Ich bin direkt in die S-Bahn gesprungen, ohne auch nur eine Minute zu üben.

Das Ergebnis? Um drei Uhr nachmittags im Laden, während ich versuchte, für die Stammkundin, die jeden Donnerstag nach diesem einen speziellen Doppelgänger-Roman sucht, das oberste Regal zu erreichen, spürte ich es wieder. Dieses dumpfe, beleidigte Ziehen im Kreuz. Es ist wichtig, ehrlich zu sich selbst zu sein: Wenn ich die zehn Minuten ausfallen lasse, zahle ich den Preis an der Kasse. Es geht nicht um Perfektion, sondern um die Konsequenz. Ein Text in einem Roman behauptet manchmal auch zu viel – er verspricht Erlösung auf der letzten Seite. Mein Rücken verspricht mir gar nichts, außer dass er mich trägt, wenn ich ihn nicht ignoriere. Interessanterweise merke ich den Unterschied sogar nachts; ich kann viel besser schlafen mit Rückenschmerzen, wenn ich morgens diese kleine Basis gelegt habe.

Der Sonntagabend-Eintrag: Weite auf 1,52 Quadratmetern

Während ich das hier in mein Heft schreibe, beruhigt sich mein Atem. In der Buchhandlung benutzen wir oft eine alte Waagenwippe für die Auslage, um das Gewicht der Bücher auszubalancieren. Mein Rücken ist im Grunde diese Wippe. Wenn die Belastung im Laden durch schwere Kisten oder langes Stehen zu groß wird, muss das Gegengewicht am Morgen stimmen.

Die Erkenntnis aus der Therapie, die mich diesen Frühling am meisten begleitet hat, ist die, dass wir keine Weite im Außen brauchen, um Weite im Inneren zu finden. Meine 1,52 Quadratmeter zwischen Küchentisch und Bücherstapel sind mein Heiligtum. Dort gibt es keine Werbesprache, keine Allheilmittel-Versprechen und keine komplizierten Geräte. Nur mich, meine Wirbelsäule und gelegentlich einen schwarzen Kater, der meine isometrische Anspannung als Einladung zum Spielen missversteht.

Für alle, die auch in einer kleinen Wohnung in Hamburg oder sonst wo sitzen: Rollt die Matte trotzdem aus. Schiebt den Tisch weg. Fangt an, bevor der Wasserkocher pfeift. Es ist dieses leise Knacken, dieser erste warme Moment auf dem Boden, der den Unterschied macht zwischen einem Tag, den man nur übersteht, und einem Tag, den man aufrecht gestaltet. Morgen ist Montag. Die neue Lieferung vom Hanser-Verlag wartet schon im Lager. Aber ich weiß jetzt, dass die ersten zehn Minuten des Tages mir gehören. Blasius schläft. Gute Nacht, Altona.

Bitte beachten: Hier auf der Seite teile ich, was ich selbst durchgemacht habe -- kein medizinischer, finanzieller oder rechtlicher Ratschlag. Was bei mir funktioniert hat, muss bei dir nicht funktionieren. Sprich mit deinem Arzt, Steuerberater oder Anwalt, bevor du Entscheidungen triffst, die wirklich zählen.

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