
Frust und Rückenschmerzen sind im Alltag zwei verschiedene Dinge, auch wenn sie sich denselben Rücken teilen. Der Schmerz zieht und sticht, meist mit klarem Auslöser – eine schwere Kiste, eine falsche Drehung an der Kasse. Der Frust bleibt oft länger und ist zäher: das Gefühl, dass der Rücken seit Jahren dieselbe alte Leier spielt. Genau diese zweite Sorte beschäftigt mich heute mehr als die erste.
Kurz vorab, weil es fair ist: In diesem Text stecken Affiliate-Links, unter anderem zu Kursen, die ich selbst nutze. Bucht jemand darüber, bekomme ich eine kleine Provision, dein Preis bleibt gleich. Ich bin keine Ärztin und keine Physiotherapeutin, nur eine Buchhändlerin mit einer Matte in der Ecke – bei akuten Beschwerden gehört der erste Weg zum Orthopäden oder Hausarzt, nicht zu mir.
Rückenschmerzen und Frust im Alltag
Rückenschmerzen und Frust hängen bei mir oft an denselben Freitagen. Letzten Freitag kam wieder eine schwere Lieferung vom Hanser Verlag ins Lager, Kartons voller Hardcover, die ich allein in die Regale sortieren musste. Der Rücken zog schon nach der dritten Kiste. Der eigentliche Frust kam aber erst danach, an der Kasse, als eine Kundin fragte, ob mit mir alles in Ordnung sei, weil ich mich beim Bücken so vorsichtig bewegte. Seit ich mit der Wirbelsäulentherapie [Mein Einstieg] angefangen habe, ist der Schmerz nicht verschwunden, aber die Art, wie ich über ihn rede, hat sich verändert.
Der Unterschied lässt sich für mich simpel prüfen. Schmerz sagt, was gerade wehtut. Frust sagt, was ich glaube, nie wieder tun zu können. Trenne ich das im Kopf, wird vieles handhabbarer – dann lautet die Frage nicht mehr, ob ich den Schmerz jemals loswerde, sondern was ich heute konkret tun kann.

Welche Alltagstipps helfen wirklich gegen den Dauerfrust?
Alltagstipps gegen den Dauerfrust: Aus meiner Erfahrung schlägt die kleinste Version einer Übung jede perfekte Version, die man sich nur ausmalt. Zehn Minuten am Morgen mit wenig Platz reichen oft aus, diese Morgenroutine beschreibe ich an anderer Stelle ausführlicher. Ehrlich bleiben muss ich aber auch: Ich habe selbst gemerkt, dass Yoga bei chronischen Rückenschmerzen im unteren Rücken oft nicht ausreicht, wenn der Kopf nicht mitzieht. Genau da hat mir Phaenomen Leben [Weite] weitergeholfen, nicht als Übung für den Rücken, sondern als Gedankenspaziergang, der den Frust ein Stück wegschiebt. Das Grundprinzip, warum Bewegung gegen genau diesen Frust hilft, beschreibe ich ausführlicher in meine Wirbelsäulentherapie Erfahrungen, das will ich hier nicht wiederholen. Warum ausgerechnet der untere Rücken zur bevorzugten Alltagsstelle für Stress wird, ist nochmal ein eigenes Thema für sich.
Ibuprofen-Gel vor dem Dienst hat nicht gereicht
Ibuprofen-Gel vor dem Dienst hat nicht gereicht, das kann ich klar sagen. Ich habe es aus der Apotheke geholt und es mir vor der Schicht ins Kreuz eingerieben, in der Hoffnung, dass die Kühle über den ganzen Tag durchhält. Sie hält nicht durch. Nach drei, vier Stunden an der Theke war das Ziehen wieder da, nur jetzt mit leichtem Mentholgeruch obendrauf.
Am frühen Samstagmorgen bin ich danach über den Fischmarkt in Altona gelaufen, zwischen Ständen, die gerade erst aufbauten, einfach um rauszukommen, bevor sich der Kopf in der Enttäuschung festbeißt. Was am Ende half, war nicht das Gel, sondern richtig heben zu üben, bevor ich überhaupt zur Kiste greife – eine Sekunde Pause, in der ich entscheide, wie ich mich bücke, statt es einfach zu tun.

Wie merkt man, dass sich doch etwas bewegt?
Dass sich etwas bewegt, merkt man, wenn man selbst mitten drinsteckt und nichts mit bloßem Auge sieht, oft an ganz banalen Dingen. Bei mir ist es eine ganz banale Bewegung: die Schaufensterauslage in der Buchhandlung ausrollen, mich mit beiden Händen auf den Boden stützen, die neuen Titel nach vorne schieben. Früher war genau das der Moment, in dem sich mein Rücken meldete, mit diesem vertrauten Ziehen, das mich zwang, mich langsam wieder hochzudrücken. Inzwischen stehe ich einfach auf, ohne die Zähne zusammenzubeißen, ohne mich irgendwo abzustützen. Kein großes Gefühl, keine Fanfare – nur die Abwesenheit von etwas, das jahrelang selbstverständlich dazugehörte.
Der Klick des Wasserkochers reicht mir inzwischen als Signal. Kurz bevor ich eigentlich absagen will, rolle ich die Matte doch noch aus, und genau diese kleinen Momente summieren sich zu dem, was oben zählt – nicht weniger Schmerz an einem einzelnen Tag, sondern eine Bewegung, die aufgehört hat, ein Ereignis zu sein.
Mentale Gesundheit braucht andere Räume als die Matte
Mentale Gesundheit braucht andere Räume als die Matte, das habe ich über eine Freundin gelernt, die seit einer Weile einen Töpferkurs in Ottensen macht. Sie sagt, das Zentrieren am Rad tut für ihren Kopf das, was für mich die Übungen fürs Kreuz tun – ein Ausgleich, der mit dem Rücken selbst nichts zu tun hat, aber trotzdem entlastet. Bei mir läuft nebenbei oft Phänomen Leben, während ich Rückläufer sortiere oder Regale einräume, keine Übung im klassischen Sinn, eher Gedanken, die im Hintergrund mitlaufen.
Was beim Faszientraining gegen chronische Verspannungen im Detail passiert, erkläre ich an anderer Stelle ausführlicher, hier reicht mir die Beobachtung, dass Entspannung selten nur im Rücken beginnt. Für alle, die wie ich viele Stunden im Stehen verkaufen, gibt es außerdem eigene Übungen, die ich separat durchgehe – hier soll es nur um den Kopf gehen, nicht um die Technik.

Hamburg-Altona, der Alltag und was am Ende bleibt
Hamburg-Altona, der Alltag und was am Ende bleibt, lässt sich für mich in einem Satz zusammenfassen: Der Frust wird kleiner, sobald ich aufhöre, ihn mit dem Schmerz zu verwechseln. Wer wissen will, wie sich die beiden Ansätze grundsätzlich unterscheiden, kann in meinen Vergleich Wirbelsäulentherapie oder Physiotherapie reinschauen, das erspare ich mir hier im Detail.
Für den Alltag zwischen Kasse, Leiter und Lager bleibt am Ende ein einziges brauchbares Kriterium: Ich frage mich nicht mehr, ob der Schmerz komplett weg ist, sondern ob die nächste Bewegung – bücken, heben, aufstehen – noch ein Ereignis ist oder schon wieder normal. Genau da hilft mir die Wirbelsäulentherapie [Mein Einstieg] nach wie vor als körperliches Fundament, auch wenn der Kopf sein eigenes Tempo hat.